Scheinwerfer an, gleich kracht‘s

von Redaktion

Audis ambitioniertes Formel1-Projekt – Konzernchef Döllner steht schon unter Druck

Die große Hoffnung: Nico Hülkenbergd © Stache/dpa

Voll im Gegenwind: Gernot Döllner. © Schwarz/AFP

Viel Silber – wie die legendären Auto-Union-Renner: Der neu geschaffene F1-Audi. © Stache/dpa

Berlin – Wenn schon, denn schon! Wenn Audi in die Formel 1 einsteigt, dann mit Glamour und großem Anspruch. „Wir sind nicht hier, um herumzualbern“, sagte Teamchef Jonathan Wheatleybei der Auto-Päsentation. „Wir wissen, wo wir starten – und wo wir hinwollen. Wir wollen Audi zum erfolgreichsten Team der Formel-1-Geschichte machen.“ Die Audi-Show, zelebriert natürlich mitten in der Hauptstadt, passte zu dem selbst formulierten Anspruch. Audi-Chef Gernot Döllnerbegrüßte persönlich die meisten Gäste im Kraftwerk in Berlin und erklärte sogleich die Grundfarbe des Autos: Silber: Auf der legendären Rennstrecke Avus hätte Auto Union, der sportliche Vorgänger Audis, große Erfolge herausgefahren – besonders mit dem damaligen „Volks-Schumi“ Bernd Rosemeyer.

Bei der Veranstaltung selbst, die von der britischen Sky-Moderatorin Naomi Schiffauf Englisch ohne Übersetzung präsentiert wurde, überließ Döllner die Bühne Projektleiter Mattia Binotto und Ex-Red-Bull-Teammanager Wheatley sowie den Fahrern Nico Hülkenbergund Gabriel Bortoletto. Aber Audi sorgt nicht nur für Gaudi. Besonders bei der Konzernspitze in Wolfsburg knirscht es gewaltig. Unsere Zeitung weiß: Döllner ist bei den Spitzen des VW-Konzerns höchstens noch geduldet, sein ehrgeiziges Formel-1-Projekt samt eigenem Auto und Motor verschlingt mindestens einen hohen dreistelligen Millionen-Betrag. Sollte es ein lukratives Angebot geben, so berichtet der Flurfunk in Wolfsburg, wäre VW sogar bereit, Audi zu verkaufen – und das nervende F1-Projekt gleich mit. Das Manager-Magazin berichtet sogar von einem Misstrauensvotum von Audi-Mitarbeitern gegenüber Döllner. Und davon, dass hochrangige Techniker wegen Döllners zu hartem Führungsstil das Unternehmen schon verlassen haben.

Dazu passt: VW-Boss Wolfgang Porschewar nicht in Berlin, um Flagge zu zeigen. Der Namensgeber des Sportwagenherstellers und VW-Hauptaktionär fuhr lieber nach Stuttgart, um dort bei der Beerdigung von Porsche- und Mercedes-Rennsportlegende Hans Herrmann († 97) zu ehren.

Fest steht: Audi steht unter Druck, nur ein schneller Erfolg kann die VW-Manager besänftigen. Und da kommt Nico Hülkenberg ins Spiel, Audis Rosemeyer der Neuzeit. Der Grund: Bei der komplizierten Technik der neuen Motoren kommt es darauf an, vorausschauend zu fahren, um den Elektromotor, der immerhin 50 Prozent der Leistung liefert, immer optimal zu nutzen. Das können sicher nur Piloten, die „während des schnellen Fahrens auch noch denken können“, erklärt Red-Bull-Ikone Helmut Marko. Fahrer wie Max Verstappen, Fernando Alonsooder eben Hülkenberg.

Auch Andreas Seidl, Ex-Audi-Projektleiter und 2015 mit ihm als Porsche Teamleiter Le-Mans-Sieger, sagte unserer Zeitung: „Es war erstaunlich, wie schnell Nico sich auf die völlig andere Technik umstellen konnte. Er musste schließlich ein kompliziertes Hybrid-System bedienen und mit einem für ihn komplett ungewohnten Allradantrieb klarkommen. Deshalb glaube ich, Nico wird einen extrem guten Job machen.“ Ob er seine Sache gut genug macht, um den Döllner-Crash zu verhindern? RALF BACH

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