Weg mit der Lupe durch den VAR

von Redaktion

DFB-Schiris sollen bessere Feldentscheidungen treffen, es gibt noch einige Luft nach oben

Schiedsrichter Harm Osmers schaut sich auf dem VAR Monitor den möglichen Strafelfmeter für St. Pauli im Duell mit Borussia Dortmund an. © Ossowski/Imago

Frankfurt – DFB-Schiedsrichterchef Knut Kircher zieht ein zwiespältiges Zwischenfazit der laufenden Bundesligasaison. Er ist vor allem deshalb recht zufrieden, weil die Eingriffe der Videoassistenten (VAR) um 30 Prozent zurückgegangen sind. Das war von vorneherein erklärtes Ziel des ehemaligen Fifa-Referees, seit er den verantwortungsvollen Job im Sommer 2024 von seinem Vorgänger Lutz Michael Fröhlich übernommen hat.

Sein zentrales Credo wiederholte Kircher eindringlich bei einem Medientermin im DFB-Campus: „Wir wollen die Schiedsrichter auf dem Feld stärken.“ Deshalb hatte der gestrenge 56-Jährige die Elite-Unparteiischen angemahnt: „Gewinnt wieder zurück, was euch ausgezeichnet hat: die richtige Feldentscheidung!“

Tatsächlich waren die Zahlen in der Vergangenheit zum Teil ernüchternd. So ergaben die Statistiken der DFB-Schiri GmbH in der Vorsaison bei richtigen Strafstoßentscheiden ohne Unterstützung des VAR lediglich eine Trefferquote von 56 Prozent. Die liegt mittlerweile bei noch immer verbesserungswürdigen 67 Prozent.

Noch schlechter lesen sich die Zahlen für richtig gegebene Rote Karten nach groben Fouls: In der Vorsaison war jede zweite Feldentscheidung falsch. In der laufenden Spielzeit steigerten sich die deutschen Elitereferees auf immerhin 71 Prozent richtiger Entscheidungen bei Platzverweisen für grobe Attacken.

„Die diskutable Masse, den Graubereich im Fußball, wird es immer geben, das müssen wir alle miteinander aushalten“, weiß Kircher. An diesen Graubereich solle der VAR nicht ran. Der Schiriboss erinnert an den Ursprung des Videoassistenten im Jahr 2017. Es gehe um klare und offensichtliche Fehlentscheidungen wie dereinst bei der WM 1986 Diego Maradonas „Hand Gottes“ gegen England.

„Das“, moniert der Geschäftsführer der deutschen Schiris, „hat sich dann dahin entwickelt, dass wir lupenartig draufgeschaut haben.“ Eine falsche Entwicklung, die er revidiert haben möchte: „Damit sind wir noch nicht fertig.“

Dank der halbautomatischen Abseitserkennung sei die Checkdauer bei Abseits von im Schnitt 45 auf 23 Sekunden fast halbiert worden. Das System war allerdings im vergangenen Jahr mehrfach in Einzelfällen ausgefallen, was zu überlangen Checkzeiten führte. Der DFB hat deshalb mehrfach Rücksprache mit dem technischen Anbieter gehalten. Mit Erfolg, sagt Kircher: „Wir hatten zuletzt keine technischen Probleme mehr.“

Weitere interessante aktuelle Zahlenreihen der DFB Schiri-GmbH: Die durchschnittliche Nachspielzeit hat sich in der Bundesliga von 7:50 Minuten auf 9:49 Minuten verlängert, in der zweiten Liga von 8:13 auf 10:32 Minuten. Ziel: eine Verlängerung der Nettospielzeit.

Wie könnte diese Nettospielzeit (Bundesliga 57:31 Minuten, zweite Liga 55:37) noch verlängert werden? Kircher stellte das Beispiel einer Fifa-Testreihe aus der US-amerikanischen Major League Soccer dar: Dauert dort eine Auswechslung länger als zehn Sekunden, muss der Einwechselspieler mindestens eine Minute draußen warten. JAN CHRISTIAN MÜLLER

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