WM-Boykott

von Redaktion

Vor allem Politiker fordern eine Absage

Peinliche Show: Trump mit FIFA-Chef Infantino. © dpa

Münxhen – Inmitten des Konflikts zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten wegen Donald Trumps Ansprüchen auf Grönland holt den Fußball eine bekannte Debatte ein. In Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden werden insbesondere in der Politik Stimmen laut über einen Boykott der Fußball-WM in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko. Der US-Präsident hatte das Turnier im Sommer (11. Juni bis 19. Juli) schon vor Wochen massiv für seine Zwecke genutzt.

■ Wer fordert einen WM-Boykott? Und warum?

In Deutschland hatte sich unter anderem CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt ausführlich geäußert. Für den Fall einer Annexion Grönlands durch die USA könne er sich nicht vorstellen, im Sommer in den Staaten ein fröhliches Fußballfest zu feiern, sagte er im Deutschlandfunk. Eine widerrechtliche Besetzung Grönlands bedeute aus seiner Sicht, dass die Europäer überprüfen müssten, „ob man an solchen Spielen teilnehmen kann“.

In den Niederlanden wurde eine große Boykott-Petition an den nationalen Verband KNVB und die Regierung adressiert, die in nur wenigen Tagen von mehr als 100 000 Menschen unterzeichnet wurde. In dem Aufruf heißt es, es sei „unvereinbar, dass unsere Fußballer an einem Turnier eines Präsidenten teilnehmen, der damit droht, seinen eigenen Verbündeten Grönland zu überfallen und zu besetzen, wodurch er die Nato zerstört und den Weltfrieden gefährdet“.

■ Wie wichtig ist die WM für Trump?

Für Trump ist die Fußball-WM eine riesige Bühne im zweiten Jahr seiner zweiten Amtszeit – auch wenn er mit „Soccer“ bislang eigentlich nicht viel zu tun hatte, die Grenze zu Co-Gastgeber Mexiko gerne komplett schließen, und Kanada am liebsten in die USA einverleiben würde. Die WM-Ausrichtung ist ein riesiges Prestigeprojekt.

Zwischen dem US-Präsidenten und FIFA-Chef Gianni Infantino hatte sich schon weit vor dem Grönland-Konflikt eine besondere, teils sehr kritisch bewertete Dynamik ergeben. Während der WM-Auslosung im Dezember hatte Infantino kumpelhaft den sogenannten FIFA-Friedenspreis an den US-Präsidenten übergeben, der gerne offiziell den Friedensnobelpreis gewonnen hätte. Die FIFA hatte zur Kritik an der Nähe zu Trump mitgeteilt, dass Infantino als Präsident „gute Beziehungen“ zu den Staatschefs der Gastgeberländer haben müsse, um eine erfolgreiche Veranstaltung zu gewährleisten.

■ Wie wahrscheinlich ist ein WM-Boykott?

Stand heute wird die WM ebenso pünktlich mit dem Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko angepfiffen wie das erste deutsche Spiel am 14. Juni gegen Außenseiter Curaçao. Der Deutsche Fußball-Bund ist bei Boykott-Debatten ein gebranntes Kind. Auch vor der WM 2022 war hitzig debattiert worden – damals wegen der Menschenrechtslage im Gastgeberland.

Zwar hatte es im Weltsport schon Boykotte gegeben – etwa bei den Olympischen Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles. Die Sportverbände betonen im gleichen Atemzug aber immer wieder, dass Politik und Sport getrennt voneinander betrachtet werden sollen. Boykotte werden nicht als Lösung geopolitischer Probleme angesehen. Der niederländische Verband KNVB startet erst gar keine Diskussion und teilte mit: „Wir haben uns für die Endrunde qualifiziert und werden daran teilnehmen.“DPA

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