Neue Rolle, neue Chance? Tim Danhof. © Sampics / S. Matzke
Einer, der sich behauptet: Tim Danhof, hier noch auf der Rechtsverteidigerposition, mit einem Essener Gegenspieler (beim 1:1 im Hinspiel). © IMAGO / Osnapix
München – Geboren in Erlangen, fußballsozialisiert in Fürth – dann 2024 über die Stationen Schweinfurt, Bayreuth und Aue beim TSV 1860 gelandet. Tim Danhof gilt als spielstarker Rechtsverteidiger, zuletzt jedoch mit Stammplatz auf der Ersatzbank. Gegen Essen (1:1) wurde er in der Schlussphase eingewechselt – auf ungewohnter Position. Darüber und über seine Pläne, auch die beruflichen, spricht der 28-Jährige in unserem Interview.
Herr Danhof, wir haben uns umgehört und von einem speziellen Hobby erfahren – Stichwort Interieur…
Sie haben gute Quellen (lacht). Seit zehn Jahren bin ich an Interieur und Möbeln interessiert, habe das von meinem Papa mitbekommen, wie man Dinge restauriert. Das bietet sich in München auch an, hier hat man einen guten Markt, auch zum Wiederverkauf. Glücklicherweise ist meine Verlobte auch daran interessiert, so ist das ein gemeinsames Hobby von uns geworden. Es macht Spaß und ist eine gute Ablenkung vom alltäglichen Trubel.
Trubel gibt es bei 1860 eigentlich immer. Wie gehen Sie damit um?
Man hat es als Spieler selbst in der Hand, wie nah man das alles an sich ranlässt. Ich persönlich spiele auch Fußball, um Resonanz zu bekommen – positiv wie negativ. Jeder Spieler, der herkommt, weiß um die große Medienlandschaft. Wenn ich in 15 Jahren zurückblicke, wäre es schade, wenn ich bei einem Verein ohne Fans gespielt hätte. Da habe ich lieber ab und zu ein Auf und Ab. Daran wächst man auch als Mannschaft.
Aktuell wichtiger denn je, die Löwen plagen massive Verletzungssorgen…
Mir tut es leid für die betroffenen Spieler, das ist immer hart. Egal ob man einen Rückschlag erleidet, wie Jesper Verlaat oder sich aus dem Nichts verletzt wie Sean Dulic. Manchmal steckt man da nicht drin. Das hat meiner Meinung nach auch nichts mit der Belastungssteuerung zu tun bei uns. Es ist ärgerlich, die Jungs fehlen uns. Dennoch haben wir die Qualität, das zu kompensieren.
Gegen Essen stemmte sich das Team gut dagegen…
Es war ein typisches Drittligaspiel. Uns war klar, dass es ein Spiel auf Messers Schneide wird. Beide Teams hätten gewinnen können, es war enorm ausgeglichen. Das ist meistens so in der 3. Liga. Man schafft es selten, Spiele klar auf seine Seite zu ziehen. Aber Essen ist auch oben dabei, wir können auf die Leistung aufbauen.
Sie wurden etwas überraschend für David Philipp in den Sturm eingewechselt.
In der Jugend und den ersten Profijahren habe ich größtenteils in der Offensive gespielt. Eigentlich bin ich erst mit meinem Wechsel nach Aue Verteidiger geworden. Lag auch daran, dass in Aue die Außenverteidiger eine sehr offensive Rolle spielen, wie man ja auch bei Kilian Jakob gesehen hat. In der Fünferkette hat man als Schienenspieler nicht mehr viel mit dem Spielaufbau zu tun. Ich bin eher ein kreativerer Spieler, deshalb hat der Trainer mich mal in der Zentrale ausprobiert. Mir gefällt das sehr gut. Ich fühle mich im Zentrum momentan wohler als auf der Schiene und glaube, dass ich mit meiner Qualität helfen kann.
In der Liga waren Sie erst viermal in der Startelf…
Ich habe eine super Vorbereitung gespielt und die ersten vier Spiele haben wir gut gepunktet. Dann kam die Verletzung, das war ärgerlich. Erst Anfang Oktober unter Alper Kayabunar habe ich wieder gespielt. Dann kam der Trainerwechsel zu Markus Kauczinski. Dass dann erst einmal andere Leute spielen, die voll im Saft stehen, ist verständlich. Nichtsdestotrotz habe ich den Anspruch, hier zu spielen. Auf welcher Position ist mir egal.
Wie blicken Sie auf die vergangenen Achterbahn-Monate?
Es wird nicht langweilig (lacht). Wir haben den Riesenvorteil, dass wir an der Spitzengruppe der Liga dran sind. Wir können beobachten, was passiert. Da tun wir uns vielleicht leichter. Zum Saisonendspurt müssen wir da sein. Ich glaube nicht, dass irgendjemand zu 1860 kommt und am Ende im Mittelfeld abschneiden möchte.
Am Sonntag geht‘s in den Osnabrücker Hexenkessel. Was brauchen die Löwen, um dort zu bestehen?
Ich genieße diese Kulissen immer! Alle Fans im Stadion hassen dich: Wie geil ist das? Gerade die ersten Minuten müssen wir uns reinbeißen, dagegenhalten. Letztendlich liegt der Druck bei Osnabrück. Die müssen liefern zu Hause. Wir können – und wir werden. Ich blicke optimistisch auf Sonntag.
Ihr Vertrag läuft aus. Wie ist der aktuelle Stand?
Ich bin mit der Absicht hergekommen, mit dem Verein etwas zu erreichen. Das haben wir noch nicht beendet. Meine Verlobte und ich fühlen uns wohl in München. Alles andere muss man sehen, Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft.
INTERVIEW: MARCO BLANCO UCLES