Weiter so: Die Bayern um Tah setzen ihren Höhenflug auch in der Champions League fort. © Hörmann/IMAGO
München – Obwohl Manuel Neuer die Allianz Arena nach dem 2:0 (0:0) des FC Bayern gegen Union Saint-Gilloise bereits verlassen hatte, tauchte der Torhüter kurz nach Mitternacht plötzlich wieder in den Stadion-Katakomben auf – und machte sich auf den Weg zurück in die Mannschaftskabine. „Sondertraining“ scherzte er und verschwand eine Minute später mit dem obligatorischen Mitternachtssnack (meistens Sushi, Pasta oder Pizza) in der Hand in die Münchner Nacht.
Dass die Stimmung beim deutschen Rekordmeister nach dem vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale der Champions League prächtig ist, zeigte nicht nur diese Szene. Bayern-Chefcoach Vincent Kompany etwa plauderte nach der Pressekonferenz noch mit Michael Verschueren und herzte den aktuellen Präsidenten seines ehemaligen Arbeitgebers RSC Anderlecht.
Die bayerische Unbekümmertheit ist nach den fulminanten Auftritten in der Königsklasse verständlich: Bereits ein Remis reicht nächsten Mittwoch beim Auswärtsspiel in Eindhoven aus, um die Liga-Phase als Tabellenzweiter abzuschließen – was ein Heimrecht für jedes Rückspiel in der K.o.-Phase bis zum Finale bedeuten würde. Diese Regel hat die UEFA vor der Saison neu eingeführt. „Das wäre enorm wichtig für uns“, betonte Sportvorstand Max Eberl.
Mittelfeldchef Joshua Kimmich hatte diesen Umstand gar nicht im Kopf, kann daraus aber eine gewisse Motivation für die Partie in Eindhoven ziehen: „Wusste ich tatsächlich gar nicht, dass es dann so gegeben ist, dass man die Rückspiele zu Hause hat. Jetzt will ich Zweiter werden!“ Eberl verriet, dass Platz drei in der Ligaphase das interne Hauptziel gewesen sei: „Wir wollen aber versuchen, diesen zweiten Platz zu behaupten. Dann gehst du Arsenal aus dem Weg und hast bis zum Halbfinale im Rückspiel Heimrecht. Das ist ein ehrenwertes Ziel, was wir jetzt gegen PSV zu erreichen haben.“
Der Rückstand auf Arsenal beträgt aktuell drei Zähler. Sollten die Gunners am letzten Spieltag Punkte gegen Qairat Almaty aus Kasachstan liegen lassen – wovon nicht auszugehen ist –, hätten sie immer noch ein um fünf Treffer besseres Torverhältnis.
So oder so: Der Münchner Blick geht in Richtung Achtelfinale – und für diese Saisonphase hat man bei den Bayern durchaus Verbesserungspotenzial ausgemacht. Denn das Spiel gegen Saint-Gilloise war das fünfte, in dem die Kompany-Truppe nicht wie zuvor gewohnt früh in Führung lag, sondern in Rückstand oder ohne Torerfolg in die Halbzeit ging. Torjäger Harry Kane war es mit einem Kopfball (52.) und einem verwandelten Strafstoß (55.) zu verdanken, dass die Münchner doch noch auf die Siegesstraße fanden.
„Das ist wie das Haar in der Suppe suchen“, relativierte Anführer Kimmich: „Aber mir Blick auf die K.o.-Spiele wollen wir das natürlich abstellen.“ Nächste Gelegenheit dazu bietet zunächst aber das Heimspiel gegen Augsburg am Samstag. M. BONKE, V. TSCHIRPKE, H. RAIF