Ben Smith lernt bei Marco Sturm

von Redaktion

Der ehemalige Münchner ist in Boston untergekommen und hat einen NHL-Job

Trainer-Schnupperkurs in München: Ben Smith. © IMAGO/Fischer

München – Head Coach; Oliver David. Die Assistenten: Max Kaltenhauser, zuständig für die Verteidigung, Rob Leask, kümmert sich vorrangig um die Stürmer. So geht der EHC Red Bull München auch ins letzte Heimspiel vor der Olympiapause am Freitag (19.30 Uhr) gegen die Fischtown Pinguins Bremerhaven. Kaltenhauser war vorige Saison schon da, zusammen mit Pierre Allard, der nach einer Zwischenstation in Genf inzwischen für den Klagenfurter AC als Cheftrainer arbeitet. Und noch einer stand 2024/25 mit an der Bande, wenngleich in einer Zwischendrin-Rolle: Offiziell war Ben Smith noch Spieler, „als solcher fühle ich mich auch“, sagte er damals, doch eine nicht mehr ausheilende Ellbogenverletzung führte ihm die Notwendigkeit vor Augen, sich in eine neue Rolle zu orientieren: Trainer. Die Gelegenheit, in München Übungseinheiten zu leiten und bei den Spielen mitzucoachen, nahm Smith dankend wahr. Gelegentlich bestritt Smith sogar die Pressekonferenzen nach den DEL-Partien.

Münchner Fans erwarteten, dass Smith in der Red-Bull-Organisation bleiben würde, womöglich in der Zweigstelle in Salzburg., doch dazu kam es nicht. Ins Trainerfach hat der 37-Jährige dennoch gefunden, und zwar in der Stadt, in der er schon ans College gegangen war: Boston. Ben Smith hat eine Stelle beim NHL-Club Boston Bruins angetreten. Er ist dort „Player Development Coordinator“. Sein Vorgesetzter: General Manager Don Sweeney, eine Eishockeylegende und der starke Mann im Club. Offiziell arbeitet Smith in der Abteilung „Hockey Operations“, hat im Alltag aber mit einem zu tun, auf den die Deutschen blicken: Marco Sturm (46). Der Olympia-Silberschmied von 2018 ist seit dieser Saison Cheftrainer der Bruins. Und ziemlich erfolgreich.

Marco Sturm erzählt unserer Zeitung über die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Münchner und Mannheimer Spieler. „Das ist eine ganz witzige Geschichte“, so Sturm. „Ich kannte den Namen Ben Smith“ – der Mittelstürmer hatte mit den Chicago Blackhawks mal den Stanley Cup gewonnen –, „ich wusste aber nicht, wie er aussieht. Beim Draft im Sommer sprach mich einer in fast perfektem Deutsch an. Ich dachte: Wer ist das denn?“ Es war Smith, der sieben Jahre in der DEL gespielt hatte. Seit der ersten Begegnung hat Sturm sich angewöhnt, „mit Ben Deutsch zu reden, damit er es nicht verlernt. Seine Kinder gehen in Boston auch auf die deutsche Schule.“ Er hält Smith für einen „Supertypen“ und beobachtet, „welchen Spaß er daran hat, aufs Eis zu gehen und Lehrer zu sein. Mit vollem Einsatz und Energie“. Ben Smith arbeitet mit den jüngeren Spielern. Man könnte ihn auch „Development Coach“ nennen.

In der NHL gehört es zum Standard, eine solche Position zu besetzen, im deutschen Eishockey leisten sich nur wenige Clubs diese Investition. In München wurde die Stelle zu Saisonbeginn geschaffen, um Will Butcher aufzufangen. Der US-amerikanische Verteidiger war nach medizinischen Auffälligkeiten bei der Eingangsuntersuchung für nicht spielfähig erklärt worden, man bot ihm daraufhin an, dass er mit den U23-Spielern im Team gesondert arbeiten und seine Erfahrung weitergeben könne. „Die jungen Spieler haben Will geliebt“, so Sportchef Christian Winkler. Allerdings bat Butcher (31) schon nach zwei Wochen um Auflösung des Vertrags, nachdem seine ärztliche Konsultation ergeben hatte, dass er sehr wohl spielen könne. Das tut er bei den Cleveland Monsters in der American Hockey League. Er ist wieder Stammspieler. GÜNTER KLEIN

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