Ski-Wunder Schramm

von Redaktion

Vor einem Jahr zerstörte er sich drei Kreuzbänder in Kitz – jetzt fährt er wieder

Kitzbühel – Wie viel kann im Knie gleichzeitig bei einem Sturz kaputt gehen? Jacob Schramm weiß es. Vor genau einem Jahr stürzte der 27-Jährige in Kitzbühel derart heftig, dass sogar eine Amputation drohte. Drei von vier Kreuzbändern waren gerissen, das linke Knie vollständig ausgekugelt. Zudem waren Meniskus, Außenband und Sehnen heftig in Mitleidenschaft gezogen.

„Das war‘s mit Skifahren“, dachte Schramm, im Fangzaun sein im 45 Grad abstehendes Knie betrachtend. Viel mehr Erinnerungen hat der Franke nicht, die Ärzte sedierten ihn sofort. Oder wie Schramm sagt: „Sie haben mich so ein bisschen aus dem Leben geschossen.“

Die Amputation-Befürchtung sollte sich nicht bewahrheiten. Wenn sich seine Teamkollegen wieder die Streif hinunterstürzen (Super-G am Freitag, Abfahrt am Samstag), steht auch Schramm immerhin schon wieder auf den Latten. Natürlich noch lange nicht im Rennmodus. Ein kleines Ski-Wunder ist es trotzdem. „Dass die Heilung so gigantisch gut ist. Das hätte ich auch nicht erwartet“, gesteht Manuel Köhne im BR. Der DSV-Doc und Knie-Papst flickte den Pechvogel in mehreren Operationen zusammen.

Für Schramm ging der eigentlich Kampf dann erst los. Die ersten Wochen war der Oberbayer auf einen Rollstuhl angewiesen – seine Wohnunug im ersten Stock damit plötzlich völlig nutzlos. Hilfe kam von Ex-Weltmeisterin Hilde Gerg (50) und ihrem Ehemann Marcus Hirschbiel (51). Sie überließen Schramm eine Erdgeschosswohnung, zudem startete er bei Hirschbiel, der unter anderem auch mit Snowboard-Ass Ramona Hofmeister arbeitet, seine Reha. Anfangs nur mit leichter Bewegungstherapie und täglichen Lymphdrainagen. Später schuftet er teils mehreren Stunden am Tag.

Alles für das Comeback und den großen Traum von Olympia 2030 in den Französischen Alpen. Was vom Streif-Sturz bleibt? Vor allem ein Geräusch. Das erste Kreuzband (rechts) riss schon auf der Strecke, die anderen zwei (links) erst beim Aufprall in den Zaun. Es habe sich angehört, „als ob man etwas zerquetscht“, erinnert sich Schramm.MATHIAS MÜLLER

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