Trainersuche im „tiefen Tal“

von Redaktion

Aus in Europa, Gegentorflut, kein Selbstvertrauen: Wer richtet Frankfurt wieder auf?

Sinnbild des Abends: Kristensen. © Claus/IMAGO

Baku – Das verbeulte Gesicht von Rasmus Kristensen stand sinnbildlich für den aktuellen Zustand von Eintracht Frankfurt. Mit einer gebrochenen Nase und zwei Veilchen unter den Augen stand der dänische Nationalspieler ratlos vor den Journalisten und versuchte, Erklärungen für den schmerzhaften Last-Minute-K.o. in der eisigen Kälte von Baku zu finden.

Kein Trainer, keine Stabilität und nun auch noch das vorzeitige Aus in der Champions League: Der Traditionsclub aus Hessen wankt aktuell so stark wie seit langem nicht mehr – und hat sich auch im ersten Spiel nach dem Aus von Dino Toppmöller überhaupt nicht stabilisieren können.

„Es ist ein tiefes Tal, das wir gemeinsam durchschreiten müssen. Du merkst natürlich die mentale Verfassung der Jungs, dass ihnen Selbstvertrauen und Sicherheit fehlt“, sagte Sportvorstand Markus Krösche nach dem alarmierenden 2:3 in Aserbaidschan bei Außenseiter FK Karabach Agdam. „Wir machen momentan immer die gleichen Fehler, das ist sehr bitter.“

Nach der Trennung von Toppmöller muss Krösche profilierten Trainern die Schießbude des deutschen Profifußballs schmackhaft machen. Schnell scheint das nicht zu gehen, weshalb Interimstrainer Dennis Schmitt und Assistent Alex Meier das Team auch am Samstag (15.30 Uhr) gegen die TSG Hoffenheim betreuen werden. „Bis auf Weiteres ist das Trainerteam erst mal in der Verantwortung. Alles andere wird man sehen“, sagte Krösche in Baku.

Die Nachfolgersuche nach zweieinhalb erfolgreichen Jahren unter Toppmöller gestaltet sich schwierig. Das Profil hat Krösche deutlich umrissen. „Wir haben das Ziel, international zu spielen. Wir wollen jemanden als Trainer verpflichten, der natürlich offensiven Fußball und auch mutigen Fußball spielen lässt, und andererseits auch in der Lage ist, Spieler weiterzuentwickeln“, schilderte der Funktionär, der mehr denn je in der Verantwortung steht.

Als Top-Kandidaten gelten derzeit Marco Rose und Matthias Jaissle. Rose ist auch nach seiner Entlassung im März 2025 noch bei RB Leipzig unter Vertrag und dürfte eine kleine Ablösesumme kosten. Jaissle ist derzeit bei Al-Ahli in Saudi-Arabien gebunden. Der ehemalige Dortmund-Trainer Edin Terzić sowie der jüngst bei Real Madrid geschasste Xabi Alonso kommen eher nicht infrage. Das dürfte auch für den 74 Jahre alten Louis van Gaal gelten.

Egal, wer übernimmt: Die Aufgabe ist heikel. Frankfurt kassierte in allen vier Pflichtspielen 2026 drei Tore. Mit 39 Gegentreffern in der Bundesliga und 19 in der Champions League sind die Hessen in beiden Wettbewerben unrühmliches Schlusslicht. „Es ist einfach nicht gut genug. Es sind einfach persönliche Fehler, heute von meiner Seite“, sagte Kristensen. Es liege nicht an der Qualität der Spieler, sondern am „mentalen Zustand“, stellte der Verteidiger ernüchtert fest.

Ähnlich sieht es auch Ansgar Knauff, der schon einige Aufs und Abs mitgemacht hat. „Das kann nicht sein, dass wir wieder so spät zwei Gegentore bekommen. Wir kriegen jedes Spiel drei Gegentore. Dann wird es einfach schwer, Spiele zu gewinnen“, sagte der Offensivspieler nach dem Tiefschlag von Baku, der in der vierten Minute der Nachspielzeit erfolgte. DPA

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