Taschenmesser-Vergleich: Manuel Baum. © Wittek/EPA
Zufrieden: Vincent Kompany. © Steinbrenner/Imago
Bayerns Topstürmer Harry Kane will auch gegen den Abstiegskandidaten Augsburg jubeln. © Hildenbrand/AFP
München – Die Vorzeichen sind eindeutig: Hier der Tabellenführer, der die beste Hinserie der Bundesliga-Historie gespielt hat, da der Abstiegskandidat, der auf Rang 15 steht und bereits seinen Trainer austauschen musste. Wird das Heimspiel des FC Bayern gegen Augsburg am Samstag (15.30 Uhr, Sky) also zum Selbstläufer?
Mitnichten! Denn FCA-Coach Manuel Baum hat sich schon einen bemerkenswerten Matchplan überlegt. „Es geht nicht darum, dass wir uns um Schadensbegrenzung Gedanken machen“, sagte der Nachfolger von Sandro Wagner im Vorfeld der Partie. „Wir brauchen so ein Schweizer-Taschenmesser-Prinzip. Je nachdem wer auf dem Platz ist, ist es die Säge oder die Schere oder was es auch immer ist, das wir ausklappen müssen.“
Nun hat man schon wahrlich viele kurios anmutende Matchpläne gehört, um in der Allianz Arena zu bestehen (Niko Kovac verlangte in der Hinrunde, „wie eine Faust“ zu spielen, weil diese mehr wehtue als eine „Schelle“) – von Taschenmessern, Sägen und Scheren war dabei aber bislang selten zu lesen. Übersetzt bedeutet diese Metapher wohl, dass Baum von seiner Mannschaft eine mutige Herangehensweise und vor allem Flexibilität fordert, um in den richtigen Momenten zwischen defensiver Kompaktheit und offensivem Umschaltspiel zu wechseln.
Darauf angesprochen, geriet Vincent Kompany auf der Pressekonferenz am Freitag ins Schmunzeln: „Erst war es die Faust, jetzt ist es das Taschenmesser. Beim Faust-Vergleich habe ich damals gesagt, dass wir dann auch eine Faust sein müssen – und morgen dann eben ein Taschenmesser“, erklärte der Trainer mit einem Lachen und wurde daraufhin schnell ernst: „Was ich damit sagen will: Augsburg wird bestimmt gesehen haben, wie die letzten Spiele verlaufen sind. Da hatten wir immer wieder Schwierigkeiten“, so Kompany. „Wenn wir das Spiel gegen Union Saint-Gilloise anschauen vorgestern – vom System und Profil der Spieler, kann ich mir vorstellen, dass sie einiges daraus gelernt haben und viel vorhaben und an ihre Chance glauben.“
Vor allem in den ersten Spielhälften lief es nicht nach Plan für die Rekordjäger aus München. Nur einmal führten die Münchner in den vier Partien nach der Winterpause, 3:3 lautet das Torverhältnis in der Summe in Durchgang eins. Unter dem Strich stehen aber dank einer Torausbeute von 15:0 in den zweiten Spielhälften vier Siege. „Wenn man das bisschen dreht, könnte man sagen, dass das ein Problem für die anderen Teams ist. Weil sie immer in der zweiten Hälfte schwächer geworden sind“, sagte Kompany vor dem Derby am Samstag (15.30 Uhr/Sky). „Es ist ein Derby, weil der Gegner mit dem Bus kommt. Sonst fliegen wir immer so weit.“
Dabei muss er jedoch erneut auf Abwehrchef Dayot Upamecano verzichten. Wie unsere Zeitung erfuhr, plagt den Innenverteidiger ein grippaler Virus, der einen Einsatz unmöglich macht. Kompany hofft, dass sich nicht noch jemand bei ihm angesteckt hat: „Schauen wir, wer noch fehlen wird. Niemand sonst aus physischen Gründen. Aber wenn ein Virus in die Kabine kommt, habe ich Angst“, so der Coach. „Ich hoffe, dass ansonsten niemand ausfällt. Aber Upa ist noch ein paar Tage im Bett – hoffentlich kommt kein anderer dazu.“ Wohl eine nicht unbegründete Sorge. Laut „Bild“ fehlten Serge Gnabry und Lennart Karl anschließend im Training. Noch keine Kandidaten für die Startelf sind Jamal Musiala und Alphonso Davies. Auch Konrad Laimer, Josip Stanisic und Sacha Boey fehlen weiter.V. TSCHIRPKE, P. KESSLER