Die 2. Bundesliga hat eine neue Attraktion: Mit Edin Dzeko wechselt ein internationaler Topstar zu Schalke 04, der mediale Rummel ist riesengroß. Ob der sportliche Nutzen ebenso groß ist? Geschenkt!
Dzeko wird im März zwar zarte 40 Jahre alt sein, viel wichtiger ist auf Schalke aber das Gefühl, dass man nun endlich wieder ein großer Club ist, der qua Naturgesetz auch die großen Stars anzieht. Und wenn es mit Raul vor 15 Jahren geklappt hat, warum denn nicht heute mit Dzeko?
Erfolgsbeispiele von Traditionsclubs, die statt klugem Scouting auf schillernde Namen setzen, gibt es schließlich genug: Mauro Camoranesi beim VfB Stuttgart, Leonardo Bonucci bei Union Berlin, Naby Keita und Victor Boniface bei Werder Bremen, nahezu jeder Transfer, den Hasan Ismaik beim Löwen eintüten wollte und durfte. Was soll da schon schiefgehen?
Aber Spaß beiseite: Natürlich ist Euphorie ein Faktor, der auf dem Weg zu einem möglichen Aufstieg helfen kann. Auf diese Karte dürfte Schalke setzen. Und womöglich wird Dzeko, der zweifelsohne einen altersresistenten Torinstinkt besitzt, wirklich ein paar Treffer in der Rückrunde beisteuern und nicht nur die Trikotverkäufe ankurbeln.
Daraus abzuleiten, dass man nun wieder der große Verein ist, der man einst war (und in der Wahrnehmung mancher Verantwortlicher und Experten immer noch ist), ist aber die genau falsche Herangehensweise. Abstiege großer Traditionsclubs können nämlich zwei Szenarien sein.
Sie können als Denkzettel fungieren, dass man sich übernommen hat, zu sehr auf große Namen gesetzt hat und dafür sorgen, dass man nun die Gehaltsstrukturen entschlackt und mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern den Wiederaufbau startet.
Oder sie können, wenn man all das ignoriert, der Anfang einer Negativspirale werden, die in jahrelangen sportlichen Krisen, Abstiegen, oder totalem Chaos endet. Fragen Sie mal beim HSV nach, bei Hertha BSC, oder natürlich: beim Löwen. Wollen wir hoffen, dass Schalke trotz aller berechtigten Dzeko-Euphorie diesen Denkzettel nicht vergessen hat.