Odermatt gewinnt Hundertstel-Krimi

von Redaktion

DSV-Starter erleben Debakel beim Streif-Spektakel – Straßers vorletzte Chance in Kitz

Odermatt will den Abfahrtssieg. © Bühner-Weinrauch/Imago

Jocher hatte noch Glück im Unglück. © Mandl/Imago

Der erste Streich? Marco Odermatt gewinnt Super-G vor Landsmann Franjo van Allmen. © Mandl/Imago

Wilder ritt auf der Streif: Adrian Sejersted rettet einen verpatzten Sprung spektakulär und wird Fünfter. © ARD

Kitzbühel – Marco Odermatt schwang ab, blickte rasch auf die Anzeigetafel und schüttelte dann die rechte Hand als wolle er sagen: „Puh, das ist gerade noch mal gut gegangen.“ Gerade mal 0,03 Sekunden trennten den Schweizer beim Super-G zum Auftakt der Weltcup-Rennen in Kitzbühel von seinem Teamkollegen Franjo von Allmen, und während der Sieger fast ein wenig verlegen lächelte, ging ihm der zunächst leicht frustrierte Zweitplatzierte spaßeshalber an die Gurgel.

Odermatt wiederholte beim „Aufwärmprogramm“ auf der Streif seinen Super-G-Sieg vom Vorjahr, die deutsche Mannschaft erlebte ein Debakel: Bester des DSV-Quartetts war der noch unerfahrene Luis Vogt auf Rang 44, er lag 1,80 Sekunden hinter Odermatt. Nur Rang 44 – schlechter war der beste Deutsche in einem Weltcup-Super-G zuletzt vor gut zwölf Jahren.

Vogt kam am Freitag immerhin ins Ziel – im Gegensatz zu den drei Kollegen. Simon Jocher, Romed Baumann und Anton Grammel schieden aus. Jocher, der sich im Dezember mit einem fünften Rang in Livigno für die Winterspiele qualifiziert hatte, vermied dabei hinter dem Sprung an der Seidlalm nur knapp einen Sturz. „Ich habe eine Welle übersehen. Ich ärgere mich extrem und muss schauen, dass ich es schnell abhake und morgen alles gebe“, sagte er. Morgen hieß in diesem Fall: Die Abfahrt auf der Streif am Samstag (11.30/ARD und Eurosport) – ein Rennen, das Odermatt noch nicht gewonnen hat.

Die wohl spektakulärste Szene des engen Rennens, bei dem zwischen Platz eins und Platz 25 nur 0,99 Sekunden lagen, lieferte Adrian Smiseth Sejersted. Dem Norweger verschnitt es kurz vor dem berühmten Seidlalm-Sprung die Ski, einen kapitalen Sturz konnte er mit einer akrobatischen Einlage vermeiden. „Ich dachte“, sagte er, „es wird ein sicherer Crash.“ Wurde es nicht, Sejersted wurde Fünfter.

Slalom-Ass läuft die Zeit davon

Nach der Abfahrt am Samstag gehört der Abschluss in Kitzbühel traditionell den Slalom-Spezialisten. Und vor allem Linus Straßer steht vor Olympia unter Zeitdruck. Ihm bleiben das Hahnenkammrennen und am Mittwoch Schladming, um nach seinem Materialwechsel im Sommer noch so eine Art Erweckungserlebnis zu haben. Er habe bewusst seine Komfortzone verlassen wollen, denn bei Olympia, betont er, gehe es ja in Wahrheit nur um eines: „Am Schluss“, sagt Straßer, „zählt der Olympiasieg. Wenn man irgendwo auf der Welt mit den Leuten ins Gespräch kommt und die erfahren, dass du Olympiasieger bist, dann kann jeder was damit anfangen.“ Doch der „Prozess“, wie er seinen Umstieg nennt, verläuft nicht wie gewünscht. Die beste Platzierung in dieser dann doch eher „schwierigen“ Saison ist ein achter Rang.SID

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