„Unfassbar heiß“ auf Norwegen

von Redaktion

Glänzt erneut DHB-Scharfschütze Schluroff oder sticht diesmal ein anderer X-Faktor?

Kabineneinblick: Auf Renars Uscins, Nils Lichtlein & Co. wartet heute der nächste Hammer. © von Fehrn/Imago, Instagram

Portugal diskutierte mit den Schiedsrichtern. © Koffler/Im.

Kam, warf und traf: Miro Schluroff erzielte gegen Portugal in nur einer Halbzeit sieben Tore – bei acht Versuchen.

Herning – Nach Sander Sagosen und seinen wieder erstarkten Norwegern stand Miro Schluroff (noch) nicht der Sinn. Runterfahren nach dem hitzigen Portugal-Krimi war angesagt. Eine Runde Siedler von Catan, „quatschen und einfach zusammensitzen“, so die Pläne des viel gelobten Scharfschützen der deutschen Handballer.

Auf dem Weg zur ersehnten Medaille tankten Schluroff und seine Mitspieler am spielfreien Freitag neue Kraft. Vor ihrer nächsten EM-Prüfung gegen die Skandinavier könnte die Motivation größer kaum sein. „Wir sind unfassbar heiß“, betonte Shootingstar Schluroff mit Blick auf die Partie am Samstag (20.30 Uhr/ZDF): „Wir wollen die nächsten zwei Punkte in dieser Hauptrundengruppe holen und den Weg weiter ebnen fürs Halbfinale.“

In der Hammergruppe I liegt Deutschland vor dem zweiten Spieltag als einziges Team mit 4:0 Punkten an der Spitze. Norwegen steht wie Olympiasieger Dänemark, Titelverteidiger Frankreich und Portugal bei 2:2 Zählern.

Dass die deutsche Mannschaft das Tor zum Halbfinale mit einem weiteren Sieg nun ganz weit aufstoßen kann, liegt auch an Allzweckwaffe Schluroff, der gegen Portugal in der zweiten Halbzeit sieben seiner acht Würfe versenkte. Der Mann mit dem „unfassbaren Hammer“ (O-Ton Andreas Wolff) ist bislang DIE deutsche EM-Entdeckung. „Der Torhüter hat überhaupt nicht gesehen, wo der Ball herkam“, lobte Bundestrainer Alfred Gislason, der genau weiß, was er an seinem Rückraumspieler hat.

Waren es in den vorherigen Spielen Keeper Wolff oder Renars Uscins, die hervorstachen, gab neben dem gewohnt starken Wolff diesmal vor allem Kabinen-DJ Schluroff im deutschen Spiel den Ton an. „Wenn wir es schaffen, dass wir immer wieder ein, zwei Spieler in eine herausragende Form bringen pro Spiel“, sagte Nationalmannschaftsmanager Benjamin Chatton, „dann haben wir diesen X-Faktor, den wir wahrscheinlich auch brauchen.“

Das weiß auch Gislason. Er warnte davor, die Partie gegen Norwegen als Selbstläufer zu betrachten. „Die Norweger sind jetzt wieder deutlich stärker als die letzten zwei Jahre“, sagte der 66-Jährige. Vor allem der Ex-Kieler Sagosen sei in „sehr starker Form“. Laut Schluroff müsse man jedenfalls „unfassbar aufpassen“.

Bei den Skandinaviern ist nach den enttäuschenden Plätzen neun bei der letzten EM und zehn bei der WM im Vorjahr der Glaube zurück. „Wir haben viel Spaß“, sagte Sagosen mit leuchtenden Augen: „Ich habe das Gefühl, wir haben mehr und mehr Tempo in unser Spiel bekommen. Wir spielen richtig schnellen Handball.“ Man habe „Respekt vor Deutschland“ mit seiner „unglaublichen Physis“, aber es könne „alles passieren“.

Selbstvertrauen strahlt dieser Tage auch Schluroff aus. Der Rückraumspieler, der mit einer Fackel von 134 Kilometern pro Stunde den härtesten Wurf der EM-Vorrunde abfeuerte, steht sinnbildlich fürs DHB-Team anno 2026. Knüppelhart in der Abwehr, abgezockt im Angriff – und vor den Mikrofonen ein verdammt abgebrühter Kerl. „Ich bin hier, weil ich aus dem Rückraum gut werfen kann“, sagt er. Es habe bislang ganz gut geklappt, „das mache ich weiter“.

Seit seinem Debüt im Frühjahr 2025 ist Schluroff im deutschen Team nicht mehr wegzudenken. Der Sohn des früheren Fußball-Bundesligaprofis Lars Unger gehört mit drei weiteren Vereinskameraden zum sogenannten Gummersbacher Block. Er spielt links wie rechts, er kann hinten wie vorn – und ist damit die Allzweckwaffe bei Deutschlands Handballern.

Eine Waffe, auf die es auch gegen Norwegen ankommen wird.SID

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