Wagner ist weg, die Vision bleibt

von Redaktion

Wie Bayern-Gegner FC Augsburg seinen Trainer-Fehlgriff verarbeitet – Stabiler dank Baum

Lieber an der Taktiktafel: Manuel Baum setzt auf die gute alte Schule.

Hält die Abwehr? Zuletzt konnte der FC Augsburg (mit Torhüter Finn Dahmen) gegen Freiburg eine 2:0-Führung nicht verteidigen. © Langer/dpa

Im 15. Jahr in der Bundesliga: Der FC Augsburg steht unter Geschäftsführer Michael Ströll wirtschaftlich stabil da. © Krieger/Imago (2)

Augsburg – „Reinschleichen, unauffällig sein, sie nicht triggern, rausschleichen und einen Punkt mitnehmen“ – was Benjamin Weber, der Sportdirektor des FC Augsburg, skizziert, könnte eine Strategie sein für das Bundesligaspiel bei den Bayern am Samstag (15.30 Uhr). Ging eine Mannschaft früh in Führung gegen die Münchner, brach als Antwort doch noch eine Flut an Toren über sie herein. Vielleicht ist es aussichtsreicher, lange ein 0:0 zu halten und beim Überlegenen ein wenig Verunsicherung zu streuen.

Offiziell treten die Augsburger, obwohl Tabellen-15., mit dem Glauben an, beim Spitzenreiter etwas holen zu können, Trainer Manuel Baum erinnert an ein 1:1 (daheim) in seiner ersten Amtszeit vor ein paar Jahren (Ausgleich durch Fabian Götze). Aber den Schwaben ist natürlich klar, dass sich in den Spielen danach entscheidet, wohin ihr Weg führt: St. Pauli, Mainz, Heidenheim, Wolfsburg, Köln – das ist die Kragenweite der Augsburger, die sich das Fußballjahr 2025/26 anders vorgestellt hatten. Gestartet waren sie mit Sandro Wagner als Trainer. Nachdem sie in Freiburg gewonnen und die Bayern mit einer Aufholjagd von 0:3 auf 2:3 bedrängt hatten, „dachte doch jeder, wir haben den geilsten Trainer der Welt“, wie Präsident Markus Krapf es formuliert. Der Eindruck verflog mit jeder Woche mehr, Wagner stellte sich als kompletter Fehlgriff heraus. Mit der Trennung nach zwölf Spieltagen leitete der FCA die Korrektur ein, Baum kommt in bisher sechs Partien auf einen Sieg, drei Unentschieden, zwei Niederlagen, die Defensive steht stabiler.

Michael Ströll, der Geschäftsführer und bestimmende Mann beim FC Augsburg, hatte Wagner geholt. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt er zurück. Es sei nicht angestrebt gewesen, mit der Trainer-Personalie in die Schlagzeilen zu kommen. Jedoch: „Mit Sandro Wagner waren wir neben dem FC Bayern gefühlt das öffentliche Bundesliga-Thema in Deutschland. Die Bayern haben keine mediale Angriffsfläche geboten, dadurch sind wir mit Sandro noch mehr in den Fokus gerückt.“ In erster Linie sei es mit Sandro Wagner um die inhaltliche Ausrichtung gegangen. „Dass die eine oder andere Aussage von ihm für Aufsehen gesorgt hat, ist leider so gewesen. Aber Sandro hat auch Positives bewirkt: Spieler wie Chrislain Matsima und Alexis Claude-Maurice sind seinetwegen geblieben, Fabian Rieder und Ismael Gharbi sind zu uns gekommen, weil auch er sich intensiv um sie bemüht hat.“

Vieles funktioniert gut beim FCA, der sich in seinem 15. Jahr in der Bundesliga befindet. Zuletzt stieg der Umsatz auf 150 Millionen Euro. „Im Merchandising, Ticketing und Catering haben wir Rekordeinnahmen erzielt. Am Ende der Saison werden wir voraussichtlich über 40000 Trikots verkauft haben – ein Riesenerfolg.“ Dennoch berichtet Ströll von einer Stagnation, die Augsburg erfährt: „Wir haben in der Vergangenheit häufiger mit Spielern am Tisch gesessen, die sich am Ende für einen anderen Club entschieden haben, weil sie sich mit unserem defensiven Fußball nicht identifizieren konnten. Für Spieler ist es wichtig, dass wir aktiven Fußball spielen und der FCA positiv wahrgenommen wird.“

Unter Baum, der bis Saisonende wirken und danach auf seine langfristig angelegte Stelle als Leiter für Innovation zurückkehren soll, spielt der FCA weniger ideologisch als bei Wagner, sondern vielmehr pragmatisch. Obwohl bekennender Technik-Nerd, verzichtet Baum auf den Einsatz der für Wagner angeschafften, über 100000 Euro teuren Videowand auf dem Trainingsplatz. Er hantiert mit der guten alten Taktiktafel, „denn die kann man leichter mal in die Ecke schmeißen als den Riesenscreen“.

Augsburg hofft auf weitere Stabilisierung unter Baum, um 2026/27 einen Neuanfang in Angriff nehmen zu können. Ströll: „Wir dürfen die langfristige Ausrichtung nicht aus den Augen lassen. Wir wollen aktiveren Fußball spielen und Spieler entwickeln, auch aus unserem Nachwuchsleistungszentrum. Diese Philosophie war keine von Sandro Wagner, sondern ist die Ausrichtung unseres Clubs. Unsere Kriterien an den Cheftrainer sind unverändert.“ Dass der FCA sich in den Abstiegskampf manövriert hat, wird nicht geleugnet, aber, so Ströll: „Wir hatten schon kompliziertere Saisons. Vor drei Jahren etwa, als wir nicht aus eigener Kraft in der Bundesliga geblieben sind. Oder 2017, als wir am letzten Spieltag in Hoffenheim unbedingt punkten mussten. Und vor allem in unserem zweiten Bundesliga-Jahr, als wir nach der Hinrunde nur neun Punkte hatten. Jetzt gehen wir mit einem Vorsprung auf die Abstiegsplätze in die zweite Halbserie. Wir wissen um die Situation, dürfen sie aber nicht schlechter reden, als sie ist.“ GÜNTER KLEIN

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