Schwer zu verwandelnde Matchbälle

von Redaktion

Das DHB-Team braucht gegen Dänemark und Frankreich zwei Punkte fürs EM-Halbfinale

Potenzial ohne Ende: Marko Grgic. © Koffler/Imago

Sucht Konstanz in seinem Spiel: Juri Knorr. © Schuldt/dpa

Herning – Juri Knorr, Julian Köster, Franz Semper, Renars Uscins, Justus Fischer, Miro Schluroff – und am Samstag (endlich) Marko Grgic. Ein deutsches Ass hat bisher noch in jedem EM-Spiel gestochen und die DHB-Auswahl vor den abschließenden Matchball-Duellen gegen Dänemark (Montag, 20.30 Uhr) und Frankreich (Mittwoch, 18.30 Uhr) in eine Traum-Ausgangsposition gebracht. Doch wenn das DHB-Team tatsächlich das kleine Wunder, den Halbfinaleinzug in dieser Hammer-Hauptrunde, schaffen will, braucht es nicht nur einen X-Faktor, sondern auf allen Mannschaftsteilen eine Leistung am Limit.

Juri Knorr geht mit großem Respekt in den ersten Showdown. „Das ist die aktuell beste Mannschaft der Welt, wahrscheinlich aller Zeiten. Es muss vieles zusammenkommen“, sagte der DHB-Spielmacher im Teamquartier in Silkeborg: „Es wird schwer, aber wir wollen die Chance nutzen.“

Ausgerechnet in seiner neuen Heimat – Knorr läuft seit vergangenen Sommer für Aalborg Handbold auf – könnte der Spielmacher für den Gastgeber zum Partycrasher werden. Dafür ist allerdings eine Leistungssteigerung vonnöten, besonders offensiv. „Es nervt mich einfach extrem“, sagte Knorr, der vor allem mit seiner eigenen Leistung hadert: „Ich glaube, es liegt auf der Hand, dass wir damit nicht zufrieden sind und ich persönlich auch nicht, gerade die letzten beiden Spiele, das wurmt mich einfach. Ich habe keine Erklärung dafür.“

Mit dem Problem der fehlenden Konstanz steht Knorr nicht allein da. Auch seine Nebenleute Köster, Schluroff, Uscins und Grgic schwanken.

Der Letztgenannte, am Samstag gegen Norwegen (30:28) mit sieben Toren in einer Viertelstunde neben Torhüter Andreas Wolff (siehe unten) der große Retter, bleibt selbstkritisch. „Ich möchte das jetzt konstant bringen und nicht wieder 15 Spiele warten, bis das nächste gute Spiel kommt“, sagte der Flensburger. Alfred Gislason sprach dennoch vom „Turnierdurchbruch“ seines Shooters. „Wenn er nach so einer Leistung kein Selbstvertrauen hat, dann weiß ich nicht“, sagte der Bundestrainer im ZDF.

Dass Grgic ein außergewöhnlicher Spieler sein kann, daran hatte ohnehin kein Zweifel bestanden. In der Vorsaison der Handball-Bundesliga war er im Trikot des ThSV Eisenach mit 301 Treffern, fast neun pro Spiel (!), der beste Torschütze der gesamten Liga – noch vor Mathias Gidsel. Der Welthandballer erwartet gegen den DHB Schmerzen. Der Berliner weiß, dass das „kleine Finale“ wehtun wird. „Es wird ein extrem schweres Spiel, ein extrem physisches Spiel“, prognostizierte Gidsel. Sein Mitspieler Emil Jakobsen habe gesagt, „dass sie ‚versuchen wollen, uns zu töten‘. So machen sie es immer.“

Für die Dänen steht viel auf dem Spiel. Eine Niederlage würde das Aus schon fast besiegeln und den EM-Fluch verstärken. Bei den vier (!) vergangenen Weltmeisterschaften stürmten die Nordeuropäer auf den Thron, auch bei den Olympischen Sommerspielen 2016 und 2024 waren die Skandinavier nicht zu bezwingen.

Doch auf europäischer Ebene warten die Dänen seit 2012 auf ihren dritten Titel. Der EM-Fluch sei „ein großes Thema für uns“, sagte Kreisläufer Magnus Saugstrup. „Wir wollen endlich dieses Turnier gewinnen.“

MM

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