Straßer darf sich wieder rasieren

von Redaktion

Slalom-Ass endlich wieder auf dem Podest – Abfahrer Vogt bringt DOSB in die Bredouille

Der Bart kommt endlich ab – Linus Straßer. © Bisi//Imago

Kitzbühel – Die Erleichterung über sein Podest-Comeback war Linus Straßer deutlich anzusehen. Nach fast zwei Jahren Durststrecke und pünktlich vor den Olympischen Winterspielen hat es ausgerechnet beim Klassiker in Kitzbühel wieder geklappt. „Das Timing hätte schlechter sein können“, sagte der Münchner in der ARD und verriet: „Ich kann mich jetzt endlich rasieren. Ich habe mir selbst das Ding gesetzt: Ich rasiere mich erst, wenn ich wieder auf dem verdammten Podium stehe.“

Fast gleichzeitig zum Straßer-Coup teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) mit, den Abfahrer Luis Vogt für die Winterspiele nachnominieren zu wollen. Ein entsprechender Antrag werde an das IOC geschickt, weil Vogt bei der legendären Abfahrt auf der Streif am Samstag auf einen starken achten Platz gefahren war. Das in diesem Winter oft gescholtene Männer-Team erlebte also ein doppeltes Happy End in Kitzbühel.

Und Straßer ist dabei ein Hauptdarsteller. Auf dem Ganslernhang waren diesmal nur der umjubelte Sieger Manuel Feller aus Österreich und der Schweizer Weltmeister Loic Meillard schneller als Straßer, der nach dem ersten Durchgang nur Zehnter war und dann mächtig aufholte.

Der 33-Jährige hatte im Sommer seine Skimarke gewechselt und war seit dem stets jenseits der Top 7 gelandet. Aber er glaubte an sich: „Der Weg dorthin, die Zweifel, die zu überwinden und eine Lösung zu finden, daran zu wachsen, das ist das, was Spaß macht und was mich heute ein bisschen emotional werden lässt.“

Ähnlich erlösend war der Jubelschrei von Abfahrer Vogt gut 24 Stunden zuvor. Es war ein kleiner Coup: Der 23-Jährige war noch nie so weit vorn im Weltcup und sorgte zudem für einen Lichtblick im bislang trübgrauen Winter der deutschen Speedfahrer.

Doch die Freude wurde jäh getrübt – schnell stellte sich die Frage, ob der Garmischer denn nun mit zu Olympia dürfe. Die Frist des DOSB war nämlich schon abgelaufen, die fünf deutschen Startplätze für Bormio verteilt. „Das liegt nicht in meinen Händen“, sagte Vogt selbst zur Bredouille. Der Zwei-Meter-Rennfahrer hatte mit einer beherzten Fahrt sogar Sieger Giovanni Franzoni (Italien) und Marco Odermatt (Schweiz) auf Rang zwei bangen lassen.

Aber natürlich wurde er auch nach Olympia gefragt. Eine Nachnominierung „wäre mega“, meinte er, sagte aber auch, dass die bisher Ausgewählten „berechtigt“ eingeladen seien. Das Problem für Experte Felix Neureuther ist, dass nur fünf Deutsche nach Italien fahren. Denn die Fis will so viele Nationen wie möglich bei Olympia dabeihaben.

„Diese Quotenregelung ist totaler Quatsch“, schimpfte Neureuther in der ARD. „Es werden Athleten mitgenommen aus Ländern, die nicht den Hauch einer Chance haben“, sagte er und ergänzte mit Blick auf Vogt: „Wenn der nicht mitgenommen wird, dann geh’ ich auf die Barrikaden.“DPA

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