Mund abputzen! Kimmich und Kane. © Feil/IMAGO
Das Tor, das die ganze Liga freut: Han-Noah Massengo traf zum 2:1 für den FC Augsburg – und zur ersten Bayern-Pleite der Saison. © Martin/IMAGO
München – Max Eberl wusste schon vor 18.30 Uhr am Samstag, dass er sich dem Topspiel nicht entziehen konnte. „Ich gehe jetzt hoch, werde was essen und im Hintergrund schauen“, sagte der Sportvorstand des FC Bayern nach dem 1:2 (1:0) des FC Bayern gegen den FC Augsburg. Die erste Saisonniederlage in der Bundesliga, die überhaupt erste seit März des vergangenen Jahres, war noch nicht ganz verdaut, da gab es im VIP-Bereich der Allianz Arena den nächsten kleinen Dämpfer: 3:0 gewann der BVB vor Eberls Augen bei Union Berlin – und die Über-Bayern der vergangenen Wochen waren plötzlich ganz offiziell der Verlierer des 19. Spieltags.
Schon klar, es sind immer noch acht Punkte Vorsprung auf den „Verfolger“, aber das erste Saisonziel musste der Tabellenführer in diesem pickepackevollen Januar beerdigen. Zwar gab niemand zu, dass eine Spielzeit ohne Niederlage – wie bei den „Invincibles“ von Arsenal in der Saison 2003/04 und Bayer Leverkusen 20 Jahre danach – teamintern als Maßstab ausgegeben wurde. Aber die Enttäuschung über die Pleite sprach aus allen Mündern und Gesichtern. Man sei da hereingeredet worden, sagte Eberl, und auch „damit konfrontiert, dass die Bundesliga kein gutes Pflaster mehr für uns“ sei. Von wegen! Über Überdominanz und fehlende Gegner auf Augenhöhe sprach am Samstagabend ausnahmsweise niemand. Vielmehr waren die Bayern im rund 600 Kilometer entfernten Leverkusen ein Thema. „Ungeschlagen Meister, SVB“ hallte am Rande des 1:0 gegen Bremen durch die BayArena.
Die Liga atmete auf, während die Bayern schon kurz nach Abpfiff darum bemüht waren, den Blick nach vorne zu richten. Es ging nicht laut zu in der Kabine, aber es war doch jedem bewusst, dass eine Reaktion vonnöten sein wird, wenn passieren soll, was Joshua Kimmich versicherte: „Dieses Spiel wird uns nicht in eine Krise stürzen.“ Spätestens am Sonntag sollten die Bilder von den beiden Gegentoren durch FCA-Winterzugang Arthur Chaves und Han-Noah Massengo aus den Köpfen sein. „Draufschlagen ist das Billigste – wir müssen Lehren daraus ziehen“, sagte Eberl. Viel Zeit ist schließlich nicht, ehe Vincent Kompany am Mittwoch, im letzten Champions-League-Ligaspiel bei der PSV Eindhoven, die nächste Serie starten möchte: „Wenn wir weitere zehn Monate ungeschlagen bleiben, ist alles in Ordnung für mich.“
Man fängt nun wieder bei null an, weil ausgerechnet der FCA erneut zum Spielverderber wurde. Schon im April 2014 hatte der schwäbische Nachbar die bisher längste Ungeschlagen-Serie von 53 Liga-Partien beendet (1:0), nun schlugen die Augsburger nach 27 Partien zu. Das lag zum einen daran, dass das Team von Manuel Baum nach dem 1:0 durch Hiroki Ito weiter an sich glaubte, vor allem aber daran, dass die ersatzgeschwächten Bayern „nie bei 100 Prozent“ waren (Eberl) und sich individuelle Fehler erlaubten. Die Sinne, versicherte Kimmich, sind nun geschärft: „Man muss immer am Maximum sein. Sonst ist man schlagbar.“ Für den Rest der Saison, in der die Ambitionen hoch sind, gilt: „Egal, ob gegen Eindhoven, Augsburg, Paris oder Arsenal: Unser Spiel darf sich nicht verändern.“
Dass der Tag wenigstens mit einem Lacher endete, war schon mal positiv. Richtig verdattert blickte Kompany drein, als er eine an FCA-Trainer Manuel Baum adressierte Frage zur Feierlaune inklusive Bierkasten in der Kabine auf sich bezog. „Bier? Bei uns?“, fragte er. Nein, nein. Auf die anderen anstoßen tut der FC Bayern nun wirklich nicht. Weder auf Augsburg – noch auf Dortmund.H. RAIF, V. TSCHIRPKE