Barcelona – Ein Formel-1-Rennen in Grönland, als GP von Nordamerika tituliert? Klimawandel und dramatische Veränderungen von Weltanschauungen besonders in den USA lassen diese Wahnvorstellung längst nicht mehr als Utopie erscheinen. Liberty Media, die Formel-1-Vermarkter aus den USA, haben sich jedenfalls die gleiche Philosophie auf die Fahnen geschrieben wie ihr Staatsoberhaupt Donald Trump: Profit ist alles, der Rest ist egal.
Der GP-Kalender von 2026 zeigt das nur zu deutlich: von den 24 Rennen finden sechs in Ländern statt, die als autokratisch geführte Staaten gelten. Das aber ist den F1-Betreibern egal: Denn nur Länder wie Saudi-Arabien, China oder Katar sind bereit, 100 Millionen Dollar oder mehr für ein F1-Rennen zu bezahlen, um das perfekte Image-Makeover zu bekommen.
Die Testfahrten in Barcelona, die gestern begannen und bis Freitag andauern, sind ein weiterer Beweis dafür, um was es den US-Vermarktern geht. Sie finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Angeblich, weil die Teams nicht wollen, dass auf Grund des neuen, extrem anspruchsvollen Motoreglements, bei dem der Elektromotor erstmals die Hälfte der Kraftversorgung ausmacht, ständig stotternde oder am Streckenrand parkende Autos zu sehen sind.
Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Hinter dem Geheimtest stecke, so berichtet der Flurfunk, auch ein Abkommen mit dem Königreich Bahrain. Grund: Die zwei letzten Testwochen vor dem Start am 8. März in Melbourne finden auf dem Kurs vor den Toren der bahrainischen Hauptstadt Manama statt. Von dort aus gibt es wieder Live-Coverage. Die Bahrainer wollten sich es nicht nehmen lassen, ihre Tests als erste offizielle zu beanspruchen.
Was bedeutete rein sportlich der erste Testtag? Die Teams dürfen nur drei der fünf Tage nutzen. McLaren verzichtete deshalb genauso wie Ferrari auf den Montag. Aston Martin hat Probleme und wird wohl erst am Mittwoch oder Donnerstag eingreifen. Williams wurde sogar das erste Opfer des neuen Technik-Reglements. Die Traditionstruppe vom Ex-Mercedes-Strategiechef James Vowles bekam ihr Auto nicht fertig. Ex-Formel-1-Fahrer und Sky-Experte Ralf Schumacher: „Das ist peinlich.“ Immerhin gab es schon einen Trend zu sehen. Mercedes ist gut aufgestellt und Red Bull ist auch gut dabei. Audi war auch dabei: Wie prognostiziert ließen es die Ingolstädter langsam ausgehen. Der letzte Platz muss aber noch nicht beunruhigen. RALF BACH