Schwere Entscheidungen: Harold Kreis. © ARD
Interviews im Sommer: JJ Peterka zuhause in Buchbach, wo er mit Familie eine kleine Eishalle baut. © ARD
München – Olympische Spiele 1988 in Calgary waren für Harold Kreis das Größte. Die Rückkehr in sein Geburtsland Kanada als deutscher Eishockey-Nationalspieler. Vier Jahre später, 1992, hätte er gerne noch einmal ein Olympia-Turnier gespielt, doch er wurde ausgebootet. „Der Sportdirektor hat mich angerufen, dass ich nicht dabei sein werde, nicht der Bundestrainer. Ich war gekränkt und habe dann meine Karriere in der Nationalmannschaft beendet.“ Diese Vorgeschichte spielt eine Rolle, nun wo Harold Kreis 67 Jahre alt und selbst der deutsche Bundestrainer ist. Er hat darum neulich auch mit allen Spielern persönlich gesprochen, die er nicht berücksichtigen kann für Olympia 2026 in Mailand, für das, wie NHL-Star John-Jason Peterka sagt, „beste Turnier ever“.
Neun Monate lang hat eine Aufnahme-Crew, angeführt vom Rosenheimer Filmemacher Mario Kottkamp, die komplizierte Entscheidungsfindung von Harold Kreis begleitet. Die einstündige Dokumentation „Powerplay – Das beste Eishockey-Team für Olympia“ ist ab diesem Samstag in der ARD-Mediathek zu sehen.
Für Kottkamp, der unter anderem eine FC-Bayern-Reihe für Amazon gedreht hat, eine spannende Angelegenheit. Denn: „Wir haben gepokert.“ Die deutschen NHL-Spieler waren gesetzt, doch viele Personalien aus der DEL blieben lange offen: Reicht es noch einmal für Kapitän Moritz Müller? Wird Torwart Mathias Niederberger rechtzeitig gesund? „Manches hat Harry auch erst auf der letzten Rille entschieden.“ Mit den Interviews lag Kottkamp am Schluss richtig: Niederberger, Moritz Müller, Korbinian Geibel als „Young Guy“ aus Berlin bekamen ihre Einladung ebenso wie Frederik Tiffels, sie sind die Protagonisten des Films. Außerdem treten auf: die NHL-Stars Leon Draisaitl, JJ Peterka und Moritz Seider. Lediglich ein Drehtermin platzte. Mario Kottkamp hatte gehofft, dass NHL-Torhüter Philipp Grubauer im Sommer nach Deutschland, konkret „zum Rosenheimer Herbstfest“, kommen würde, „weil er in den letzten Jahren auch immer da war. Doch weil Grubi in Seattle einen neuen Trainer bekam, ist er drüben geblieben, um sich vorzubereiten“. Das zahlte sich auch aus, Grubauer, fast schon aufs Abstellgleis geschoben, spielt seine beste Saison seit Langem.
Was Regisseur Kottkamp beeindruckt hat: die Nahbarkeit der Eishockeyspieler. Er konnte sie direkt kontaktieren, ohne Agenten. Mit JJ Peterka, mit 7,7 Millionen Dollar Jahresgehalt bei den Utah Mammoth finanziell in der Fußballerklasse angekommen, traf er sich zu einem ersten Kennenlerngespräch im Biergarten in München, verbrachte anschließend zwei Tage mit Familie Peterka, die noch alte Aufnahmen von den Schlittschuh-Anfängen des Sohnes beim Publikumslauf im Münchner Ostpark zur Verfügung stellte. „Und auch die Vereine waren megaoffen.“ Mannheim stellte einen Tag die SAP Arena und die Jungadler-Mannschaft zur Verfügung, damit ein paar eishockeyspezifische Szenen (Zweikämpfe, aufspritzendes Eis) in den Kasten kamen.GÜNTER KLEIN