ZUM TAGE

Ein Winter, der Hoffnung macht

von Redaktion

Mit Löwen-Energie ins Frühjahr

Statt in Jahreszeiten ließe sich ein Löwen-Jahr auch in Gefühlslagen einteilen. Sommer: Euphorie („Jetzt steig ma auf!“). Herbst: Depression. Winter: Resignation. Frühling: Kalkulation. Dann wird gerechnet, gehofft, gezweifelt. Reicht’s noch? Die Optimisten halten durch bis zum mathematischen Ende, die Pessimisten und Giesinger Grantler haken die Saison kurz nach dem Rückrundenstart ab.

In diesem Jahr aber ist etwas anders. Bald ist Februar – und bis auf ganz wenige Supergrantler sind die meisten Löwen-Fans noch emotional dabei. Und das hat Gründe. Nicht nur, weil das Punktekonto praller gefüllt ist als vor einem Jahr. Plus sieben Punkte! Vor allem aber macht diese Mannschaft Hoffnung.

Denn auch wenn der Architekt längst weg ist, hat Sportchef Christian Werner den Löwen ein charakterstarkes Team hinterlassen. Ob acht, elf oder zehn Ausfälle (wie in Osnabrück) – die jeweilige Rumpfelf kämpft mit einer Geschlossenheit, wie man sie bei 1860 lange vermisst hat. Jeder haut sich rein, jeder ist willig. Ein an der Eckfahne grätschender Volland wärmt auch jene Fan-Herzen, die der Club in den bleiernen Jahren seit Köllner verloren hat.

Womit eine weitere Schlüsselperson bereits angerissen ist: Markus Kauczinski. Der Glöckner-Nachfolger erweist sich als blauer Glücksfall. In Rekordzeit hat er dem Team Struktur gegeben, defensive Stabilität vermittelt – und den Glauben, auch als letztes Aufgebot Berge versetzen zu können. „Nicht rumjammern“, fordert der Gelsenkirchener. Und lebt es selbst vor.

Andere würden lautstark Transfers fordern. Kauczinski passt lieber seine Taktik an. Aus Vernunft, weil er die finanziellen Nöte kennt. Aber auch aus Überzeugung: Ein unüberlegter Wintereinkauf, der sofort einen Stammplatz beansprucht, könnte einen gewachsenen Teamgeist schneller zerstören, als er Punkte bringt.

Das pragmatische Motto lautet daher: durchbeißen, nicht abreißen lassen – und dann mit Haugen & Co. ein Frühjahr der Emotionen einleiten. Aufholjagd statt Aufgabe. Noch ist er möglich, der berühmte Brasilianer für Liga 2. Stichwort: Sommer-Euphorie.

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