Halb leer oder halb voll?

von Redaktion

Löwen nach Kampfpunkt in Osnabrück einig: Jetzt muss eine Siegesserie her!

Wer zuletzt lacht: Kauczinski gewann das PK-Scharmützel mit VfL-Coach Schultz.

Punkt gewonnen oder zwei verloren? Aus Sicht der 1860-Profis ist das Glas nach dem 1:1 in Osnabrück eher halb voll. © ChatGPT

München – Das nächste Unentschieden gegen ein Topteam. Wieder einen Rückstand egalisiert, wieder im Kollektiv das Fehlen von zehn Spielern aufgefangen. Und trotzdem wussten 1860-Profis und Fans zunächst nicht so recht, wie sie dieses 1:1 beim VfL Osnabrück einordnen sollten. Zu wenig für ganz hohe Ansprüche?

Die gute Nachricht: Durch Verls Niederlage am Sonntagabend in Wiesbaden bleibt es bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz – acht auf die Direktaufstiegsplätze. Die schlechte: 1860 ist seit drei Spielen sieglos, konnte seit der schweren Verletzung von Sigurd Haugen keinen Dreier mehr einfahren. Was ist sie also wert, die kleine Unbesiegt-Serie im neuen Jahr? Oder wiegt die Sieglos-Serie schwerer?

Ein klassischer Fall von Glas halb voll oder halb leer. Je nach Blickwinkel, je nach persönlichem Anspruch. Hört man in die Mannschaft hinein, wurde jedoch schnell klar: Die Löwen bewerten das zweite 1:1 gegen ein Team aus den Top 6 eher als Erfolg – vor allem angesichts der personellen Notlage.

„Das war ein sehr, sehr schweres Auswärtsspiel. Nach dem 0:1 hier zurückzukommen, ist absolut positiv“, sagte Torschütze Kevin Volland und verwies auf die defensive Stabilität als Fundament: „Wir stehen kompakt, kämpfen füreinander – aus dem Spiel heraus hatte Osnabrück kaum Chancen.“ Der Ausgleich sei kein Zufallsprodukt gewesen, sondern das Ergebnis kollektiver Arbeit: „Defensive beginnt vorne. Wenn wir das so umsetzen, sind wir sehr schwer zu bespielen.“

Auch Raphael Schifferl, Teil der aktuell viel gelobten Dreierkette, schlug in die gleiche Kerbe. „Wenn man nur aufs Spiel schaut, ist es ein gewonnener Punkt“, bilanzierte er. Ärgerlich sei nur das frühe Gegentor gewesen: „Blöd ist, dass wir nach einem Standard das 0:1 kassieren. Aber wir haben gefühlt 20 Standards verteidigt – unterm Strich viel richtig gemacht.“

Dass 1860 trotz zahlreicher Ausfälle im Rennen bleibt, führen die Spieler vor allem auf den ausgeprägten Teamgeist zurück. „Ich bin stolz auf diese Gruppe“, sagte Schifferl. „Jeder, der fit ist, hängt sich voll rein – nur so funktioniert es.“ Volland ergänzte: „Intern wissen wir, dass wir eine gute Mannschaft sind – und dass es bis zum Ende eng bleiben wird.“

Sieben Punkte mehr als vor einem Jahr

Doch bei aller Resilienz: Einig sind sich alle, dass es bald wieder einen Dreier braucht. Oder besser: eine Serie. Erfahrungsgemäß sind rund 66 Punkte nötig, um Platz drei zu erreichen. Dafür müssten die Löwen ab sofort wieder jenen Zwei-Punkte-Schnitt liefern, mit dem Trainer Markus Kauczinski seine Mission in Giesing begonnen hat.

Die Rückkehr von Kieferpatient Haugen wird sehnsüchtig erwartet – doch schon die nächsten Spiele sind richtungsweisend. Punkte herschenken kann sich 1860 nicht mehr leisten. „Jedes Spiel ist wichtig, damit wir den Anschluss nicht verlieren“, mahnt Volland. Am besten, so der Torschütze, biegen die Löwen schon am Samstag zurück auf die Siegerstraße – im Heimspiel gegen Aachen.

Dann wäre das Glas nicht nur halb voll. Sondern randvoll mit Hoffnung.ULI KELLNER

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