Franziska Preuß ist auf Abschiedstour. © Divisek/EPA
Nove Mesto – Erschöpft saß Franziska Preuß im Schnee und schob ihre Brille nach oben. Im letzten Rennen vor den Olympischen Spielen sorgte die Biathlon-Gesamtweltcup-Siegerin zwar nicht aus sportlicher Sicht für Schlagzeilen, aber mit brisanten Aussagen. Denn die 31-Jährige erklärte in der ARD, dass sie ein Karriereende nach dem Jahreshöhepunkt im Februar nicht ausschließe. „Vielleicht waren es meine letzten Weltcup-Rennen“, sagte sie nach ihrem 13. Platz im Massenstart von Nove Mesto. „Deswegen war ich froh, dass ich noch einmal hier war.“
Auch im Gespräch mit unserer Zeitung sagte sie bereits, dass sie „noch ein paar Wochen Sportlerin ist“ – ihre Abschiedstour als Profi scheint bereits begonnen zu haben.
Auf die Aussagen der besten deutschen Skijägerin angesprochen, reagierte Sportdirektor Felix Bitterling vom Deutschen Skiverband (DSV) gelassen. „Man muss das im Kontext sehen. Franzi hatte einen Wettkampf, den sie sich sicher anders vorgestellt hat“, sagte er. „Die Franzi hat klar Olympia als ihr wirklich letztes Karriereziel ausgegeben, um dort eine Einzelmedaille zu gewinnen.“
Bei der Generalprobe leistete sich Preuß drei Fehler und verpasste eine Top-Platzierung deutlich. Der Rückstand auf die siegreiche Französin Julia Simon, die sich vor Teamkollegin Océane Michelon und der Italienerin Lisa Vittozzi (je 1 Fehler) durchsetzte, betrug fast eineinhalb Minuten. Schon nach ihren ersten beiden Fehlschüssen im zweiten Liegendanschlag blickte Preuß etwas ungläubig in Richtung der Scheiben. „Ich denke, da habe ich zu spät reagiert“, sagte sie. Bei der letzten Einlage sei sie dann unter Zugzwang gewesen – und musste eine weitere Extra-Runde drehen. „Da habe ich die Nerven dann nicht behalten.“
Marlene Fichtner, die zweite DSV-Starterin belegte in ihrem ersten Massenstart nach zwei Strafrunden Rang 21. Es war ein Versöhnlicher Abschluss für die 22-Jährige, die am Samstag noch für eine Disqualifikation der Single-Mixed-Staffel gesorgt hatte. Ihr und Leonhard Pfund wurde der vermeintliche Sieg aberkannt.
Für Preuß stehe vor dem Olympia-Start in Antholz ab dem 8. Februar erst einmal die Erholung im Vordergrund. Mit neuer Energie wird Deutschlands beste Biathletin trotz des Dämpfers mit Hoffnung nach Italien reisen. Denn der dritte Platz im verkürzten Einzel am Freitag war ein Mutmacher für die bald beginnende Medaillenjagd, die wegen Preuß‘ nachdenklicher Worte nun unter besonderen Vorzeichen steht.DPA