Brisantes Wiedersehen

von Redaktion

DHB erwartet „heißen Fight“ gegen Frankreich im Halbfinal-Endspiel

Die Erinnerungen von Renars Uscins & Co. sind gut, die Aufgabe bleibt dennoch schwer: Deutschland trifft nach dem Olympia-Krimi von Lille wieder auf Frankreich – und braucht fürs EM-Hablfinale mindestens einen Punkt. © Wolf/Imago

Herning – Alles oder nichts. Siegen oder untergehen. Halbfinale oder Aus. Das letzte Gruppenspiel der deutschen Handballer am Mittwoch gegen Frankreich (18.00 Uhr/ZDF) ist ein echtes Endspiel.

Ein K.o.-Duell gegen „Les Bleus“ um den Einzug unter die letzten vier – moment, da war doch was? Richtig, das Olympia-Viertelfinale vor knapp eineinhalb Jahren. Das DHB-Team war mit einem Bein rausgeflogen, ehe ein kapitaler Mem-Fehlpass, ein Köster-Geistesblitz und eine Uscins-Gala doch noch den Sieg (35:34 nach Verlängerung) bedeuteten.

Ob das Video als letzte Motivationsspritze noch einmal hervorgekramt wird? „Das werde ich nicht machen“, sagte Torjäger Uscins und grinste. „Das entscheidet Alfred mit seiner Video-Vorbereitung.“ Die Erinnerungen sind natürlich auch beim 23-Jährigen noch präsent, dennoch warnt er: „Das wird ein ganz anderes Spiel, ein richtig heißer Fight.“

Ein kleiner Vorteil liegt im ersten Aufeinandertreffen seit dem Olympia-Wahnsinn beim DHB: Ein Unentschieden würde bereits reichen, um sicher das Ticket für die Medaillenspiele zu lösen. Eine Niederlage, auch das ist sicher, führt das DHB-Team am Freitag in das Spiel um Platz fünf.

„Wir haben die vergangenen Monate immer davon geredet, dass es die schwerste Hauptrunde ist, die wir je gesehen haben. So ist es gekommen“, sagte Bundestrainer Alfed Gislason nach dem 26:31 gegen Weltmeister Dänemark. „Wenn man gegen Dänemark verliert, dann muss man halt die anderen alle schlagen. Es ist ein reines Endspiel, um ins Halbfinale zu kommen.“

Der vergebene Matchball gegen den Olympiasieger inklusive diverser Pfosten- und Lattentreffer war ganz schnell abgehakt. Auch bei Uscins. „Für mich ist es ein Viertelfinale. Da wird die Bedeutung eines Do-or-Die-Spiels einfach noch sichtbarer.“

Wie schon im Vorrundenfinale gegen Spanien, als nach dem Serbien-Schock gar das Vorrunden-Aus drohte, muss die DHB-Auswahl (6:2 Punkte) nun auf den Punkt und unter maximalem Druck abliefern. „Wir müssen bis zur letzten Sekunde voll alles investieren, um den Traum am Leben zu erhalten. Aber das hätten wir vor dem Turnier so genommen“, sagte Kapitän Johannes Golla.

Die Franzosen (4:4) zeigten bislang zwei Gesichter bei der EM: Ihrem Rekordauftritt gegen Portugal (46:38) folgte am Montag eine verdiente Pleite gegen die bereits ausgeschiedenen Spanier (26:32). Die „zweitstärkste Mannschaft des Turniers“ (Gislason) geht womöglich leer aus – die Geschichte von Lille, sie könnte sich wiederholen.

Guillaume Gille kann darüber nur müde lächeln. „Es ist vorbei“, sagte Frankreichs Nationaltrainer. Die Pleite vor anderthalb Jahren habe „uns wehgetan, aber wir haben uns seitdem weiterentwickelt. Wir haben die Kurve hinbekommen. Es ist einfach Geschichte. Eine brisante Geschichte natürlich, aber Geschichte.“

War das französische Prunkstück in der Vergangenheit meist die Defensive, liegt die große Stärke des Teams dieser Tage im Angriff. „Egal, wie viele Tore wir werfen“, sagte Gille: „Hauptsache wir werfen eines mehr als die deutsche Mannschaft.“MM, SID

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