„Es geht nicht jedes Jahr bergauf“

von Redaktion

Vor dem Saisonstart bremst Florian Lipowitz die Erwartungen

Im Blickpunkt: Florian Lipowitz. © IMAGO/GARCIA I GISBERT

Palma – Der Radsport-Alltag hat Florian Lipowitz längst wieder im Griff. Drei Wochen lang arbeitete der deutsche Shootingstar zuletzt fernab der Heimat im Höhentrainingslager auf Teneriffa an seiner Winter-Form. Zwischen wenig erfolgreichen FIFA-Duellen an der Konsole und lockeren Darts-Runden mit den Teamkollegen spulte der Tour-Dritte auf der Kanareninsel vor allem unzählige Kilometer auf dem Rennrad ab.

Der erste Grundstein für eine erfolgreiche Saison 2026 ist gelegt, der erste Einsatz steht bei der Mallorca Challenge am Donnerstag unmittelbar bevor. Es wird der Auftakt in ein Jahr voller Unwägbarkeiten. „Die Erwartungen sind natürlich extrem hoch“, sagte Lipowitz im Podcast „Ulle & Rick“ von Jan Ullrich und Ex-Profi Rick Zabel: „Ich für mich persönlich versuche sie ein bisschen runterzuschrauben.“

Hinter Lipowitz liegt eine Fabel-Saison, die in dieser Form nur schwer zu wiederholen sein wird. Sein dritter Platz und der Gewinn des Weißen Trikots bei der Tour de France waren nur die unbestrittenen Höhepunkte des Jahres 2025, in dem er auch bei den prestigereichen Rennen Paris-Nizza und Critérium du Dauphiné auf dem Podest stand.

Doch ein Durchbruch ist nur einmal möglich. Sich in der Weltspitze dauerhaft zu etablieren, ist die weitaus größere Herausforderung. „Ich würde mich freuen, wenn ich an die Leistungen des letzten Jahres anschließen könnte. Aber es geht nicht jedes Jahr bergauf“, warnte Lipowitz: „Es wird auch mal ein Jahr geben, in dem es nicht so gut läuft.“

Bei seinem deutschen Top-Team Red Bull-Bora-hansgrohe sieht man das ähnlich. Die Messlatte liege sehr hoch, sagte Teamchef Ralph Denk, der den Jungstar im Dezember mit einem neuen, langfristigen Vertrag an sich gebunden hat. Man müsse realistisch sein. Die abgelaufene Saison sei für „Lipo“ nahezu perfekt gelaufen: „Das zu wiederholen, ist nicht ganz einfach.“

Der Rückhalt ist Lipowitz sicher. Sollte er stagnieren oder die Leistung sogar abfallen, sei das für den Arbeitgeber kein Drama. „Diese Sicherheit will ich ihm geben“, sagte Denk: „Ich glaube, seine ganz großen Jahre, die werden noch kommen.“

Ob 2026 ein großes Jahr wird, entscheidet sich nicht zuletzt bei der Tour de France im Juli. Dort soll Lipowitz an der Seite des belgischen Doppel-Olympiasiegers Remco Evenepoel eine Doppelspitze bilden und Titelverteidiger Tadej Pogacar in Verlegenheit bringen. Vorher will Lipowitz bei der Algarve-Rundfahrt (Februar), der Katalonien-Rundfahrt (März) und der Tour de Romandie (April) „zumindest in der Lage sein, um das Podium fahren zu können.“

Und bei der Frankreich-Rundfahrt? So weit denkt Lipowitz nicht. „Ich schaue noch gar nicht bis zur Tour“, sagte der 25-Jährige. Ein klein bisschen wird die Große Schleife auch auf Mallorca trotzdem schon in den Köpfen sein. Das Teamzeitfahren bei der Trofeo Ses Salines am Donnerstag dient als ein erster Testlauf für den Tour-de-France-Auftakt am 4. Juli in Barcelona. Ob Lipowitz danach weitere Rennen der Mallorca Challenge bestreitet, wird erst kurzfristig entschieden.SID

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