Wie schnell sich das Blatt wenden kann. Wieder steht die deutsche Handball-Nationalmannschaft vor einem Endspiel. Und wieder wird über die Aufstellung von Alfred Gislason diskutiert. Doch während der Bundestrainerstuhl noch vor einer Woche gehörig wackelte, sitzt der Isländer mittlerweile fest im Sattel – unabhängig vom Ausgang des Duells gegen Frankreich.
Wäre das Team in der Vorrunde ausgeschieden, hätte man seine Person zurecht hinterfragen müssen. Doch auch die nun ausgesprochene Jobgarantie ist folgerichtig. Denn der 66-Jährige hat es geschafft, dass man in der vielleicht schwersten Hauptrundengruppe, die es je gab, das Halbfinale selbst in der Hand hat.
Klar, die Niederlagen der Konkurrenz (Serbien gegen Österreich, Frankreich gegen Spanien) haben ihren Teil dazu beigetragen. Aber sie zeigen eben auch: Kein Team ist bisher unbeschadet durch dieses Turnier gekommen, nicht einmal die Über-Dänen. Um sein Ziel zu erreichen, schreckt Gislason auch vor unpopulären Entscheidungen nicht zurück. Das ist sein gutes Recht, denn am Ende muss er auch den Kopf dafür hinhalten.
Ob Gislason immer so viel wechseln und jedes Mal jemand anderen auf die Tribüne setzen muss? Nein. Haben die Dänen auch nicht. Aber die Breite des DHB-Kaders soll doch die Stärke sein, oder gilt das nur bei einem Sieg?
Ob Deutschland mit Wolff gegen Dänemark gewonnen hätte? Vermutlich nicht, denn dafür war die Offensive in der zweiten Hälfte zu schwach. Und seine Norwegen-Gala zu bestätigen, wäre fast unmöglich gewesen. Fragen Sie nach bei Knorr, Schluroff und Grgic.
Ob Mertens und Zerbe nicht hätten auflaufen können? Sicher. Aber es hätte nichts geändert, denn die Außen werden seltenst ins deutsche Spiel einbezogen. Oder wie Stefan Kretzschmar sagt: „Da kann der Busfahrer spielen.“
Ob man das Gislason nicht vorwerfen kann? Doch. Aber die Trainer-Legende hat schon bei der Kader-Auswahl deutlich gemacht, dass sein Fokus auf der Abwehr liegt. Da Uscins seine Konstanz wiedergefunden hat und immer einer der Rückraum-Shooter abliefert, ging der Plan bisher auf.