Mit FedEx in München: van Bommel. © FedEx, Johnston
Fehlt verletzt: Van Bommels Sohn Ruben. © IMAGO
„Er kann eine große Rolle spielen“: Van Bommel mag Eindhovens Paul Wanner. © imago
München – Mark van Bommel war zum Start der FedEx Move Like a Pro Kampagne in München. Im Interview spricht der frühere Mittelfeld-Boss über das Königsklassen-Duell seiner beiden Ex-Clubs PSV Eindhoven und dem FC Bayern am Mittwoch (21 Uhr).
Mark, Sie waren zum Start der FedEx Move Like a Pro Kampagne in München. Mit Fans einen Ball treten – es gibt doch Schlimmeres, oder?
Das stimmt. Wobei ich leider leichte Rückenbeschwerden bekommen habe, als ich am Wochenende in der Halle gespielt habe. Trotzdem: Für FedEx, einem Giganten in Europa, mit den Fans zu spielen, macht natürlich Spaß. Und Werbung für die Champions League machen wir auch noch.
Dann nehmen Sie uns mal mit in die FedEx Performance Zone: Was läuft mit 48 noch gut, was nicht?
(lacht) Da läuft nicht mehr viel gut. Fußball ist auch im Alter das Schönste, das es gibt. Aber wenn man nicht mehr täglich spielt, ist der Körper die Belastung nicht mehr gewohnt. Man denkt, dass man immer noch gut spielen kann und sich bewegt wie früher. Aber das ist nicht so. Nur der Ehrgeiz bleibt halt ein Leben lang gleich…
Ihre beiden Söhne sind auch Profis geworden: Wer gewinnt im Vater-Sohn-Duell?
Ich leider nicht mehr (lacht). Thomas ist 23 und spielt in Belgien, Ruben ist und 21 und spielt in Eindhoven. Früher haben wir zwei gegen eins im Garten gespielt. Aber das schaffe ich nicht mehr. Sie sind zu groß und zu stark. Als wir in München gewohnt und sie beim TSV Grünwald gespielt haben, da waren sie sechs und acht, habe ich noch gewonnen. Lange ist’s her…
Ruben hat leider einen Kreuzbandriss erlitten. Sind Sie traurig, dass er nicht im Duell gegen den FC Bayern spielen kann?
Sehr. Nicht nur, dass er das Duell gegen Bayern verpasst, sondern auch die schönen Spiele gegen Real, Liverpool, Neapel, Leverkusen, Atletico. Immerhin im ersten Champions-League-Spiel gegen Union St. Gilloise war er noch dabei und hat auch getroffen. Er hat gezeigt, was er kann – aber so eine Verletzung ist immer schlimm. Er ist neun Monate raus, das ist für einen Fußballspieler die längste Verletzung, die es gibt. Und als Papa auch schwer zu ertragen. Ab jetzt geht es für ihn darum, noch stärker zurückzukommen.
Gegen den FC Bayern ist er nun Zuschauer. Sind die Rollen klar verteilt?
Bayern hat mich auch eingeladen. Sieben Jahre bei Eindhoven, viereinhalb bei Bayern: Es ist immer schön, wenn man gegeneinander spielt. Ich habe sogar als Spieler von Eindhoven gegen Bayern gespielt. 1999 im Olympiastadion, ich habe gleich eine Rote Karte bekommen (lacht). Ich bin gespannt, was passiert. Bayern ist qualifiziert, will aber unter den ersten zwei bleiben. Die werden das nicht weggeben. Und Eindhoven braucht die Punkte noch mehr.
Welche Rolle kann Paul Wanner spielen?
Eine große. Er gefällt mir sehr gut. Er hat am Anfang nicht viel gespielt, aber er ist ein schlauer Spieler, der zwischen den Linien spielen kann, technisch gut ist. Er hat sich ein wenig anpassen müssen, hat aber die Qualität und die Fähigkeit, um in Holland sehr wichtig zu werden.
Ist die Situation bei beiden Teams ähnlich? Beide sind in der Liga weit enteilt.
Bayern ist das gewohnt seit Jahren. In der aktuellen Saison ist es vergleichbar mit Eindhoven. Sie stehen sogar 16 Punkte vor dem Zweiten, weil Feyenoord und Ajax eine Krise haben. Auch wenn es blöd klingt: Die sind kaum mehr einzuholen. Trotzdem ist es leichter für Bayern, den Schalter für die Champions League umzulegen. Eindhoven muss in die Playoffs, da geht es auch um Geld. Und Meister werden wäre auch nicht schlecht, weil es kommende Saison wohl nur noch einen Startplatz für uns gibt.
Wie weit lagen die niederländische Liga und die Bundesliga zu Ihrer Zeit auseinander – wie weit heute?
Deutschland ist immer die bessere Liga, daran ändert sich nichts. Im Gegenteil. Schauen Sie sich die Stadien in Deutschland an – nicht nur in der Bundesliga, auch in der 2. und 3. Liga. In Deutschland ist viel mehr Geld im Spiel, klar, dass die Distanz zu Holland so immer größer wird.
Was würde ein Sieg gegen Bayern in deinem Heimatland auslösen?
Große Freude. Und ausgeschlossen ist er nicht. Das Rückspiel 1999 haben wir auch gewonnen übrigens (lacht).
Manuel Neuer sagt, dieses Bayern-Team sei eines der besten bisher Besser als das Triple-Team von 2013?
Naja, wenn man bedenkt, wie viele Titel man seit 2000 gewonnen hat. Jedes Mal entwickelt sich die Mannschaft weiter. Aber dass sie gut ist, steht außer Frage. Es macht schon Spaß, im Moment zuzusehen. Die Mischung stimmt. Dazu die Idee des Trainers. Die Rechnung ist simpel: Gute Spieler, guter Trainer – dann kann man einiges zeigen.
Außerdem drängt Jamal Musiala zurück ins Team.
Er ist genauso ein Topspieler wie alle anderen. Und das bedeutet, dass der Trainer ab jetzt noch mehr versuchen muss, alle zufrieden zu halten. Da geht es oft nicht nur um Coaching-Qualität, sondern um Manager-Qualität. Du musst klar sein in deinen Ansagen – und vor allem ehrlich. Das hört sich komisch an, aber das ist das Wichtigste: Man muss sagen, was man denkt. Manchmal kann man Entscheidungen nicht erklären, aber man hat sie getroffen. Mit dem Bauch. Dann muss man auch dazu stehen.
Man schielt auf das Finale. Ist die Zeit dieses Jahr schon reif?
Bayern ist immer unter den Favoriten. Es geht um Tagesform, um Losglück, um Schiedsrichterentscheidungen, um jedes Detail. Mit ein wenig Glück kann es weit gehen. Die Basis stimmt. Und die Erfahrung lehrt ja: Wenn es einmal läuft, läuft es gerne.
INTERVIEW: HANNA RAIF