Der Gold-Traum lebt

von Redaktion

Deutsche Handballer werfen Titelverteidiger Frankreich raus

Mit Gebrüll Richtung Medaille? Deutschland um David Späth darf weiter träumen. © Fehrn/Imago

Herning – Juri Knorr ballte schon kurz vor der Schlusssirene die Siegerfaust, dann gab es bei Deutschlands Handballern kein Halten mehr – der Gold-Traum lebt! Angeführt vom überragenden Spielmacher Knorr ist das Team von Bundestrainer Alfred Gislason ins EM-Halbfinale gestürmt. Das DHB-Team entthronte Titelverteidiger Frankreich im Hauptrunden-Finale von Herning dank einer Offensiv-Gala und am Ende starker Nerven mit 38:34 (19:15) und greift zehn Jahre nach dem Coup von Krakau wieder nach Europas Handball-Krone.

„Ich bin extrem stolz auf die Mannschaft“, sagte Gislason im ZDF, „dass wir im Halbfinale stehen, ist eine phänomenale Leistung, wenn man diese Gruppe sieht. Jetzt wollen wir auch ins Finale.“

Das deutsche Team zeigte im „Alles-oder-Nichts“-Spiel am Mittwoch seine beste Turnierleistung. Vor allem Knorr habe die Mannschaft dabei „getragen“, sagte Gislason, „er war großartig“, denn der Rückraumspieler brillierte gegen die hoch gehandelten Franzosen.

„Die letzten Tage waren nicht einfach, ich habe schon viel gegrübelt“, sagte Knorr, der vor 10.850 Zuschauern in der Jyske Bank Boxen mit zehn Toren zum besten deutschen Werfer avancierte. „Ich kam mir ziemlich verarscht vor. Drei Spiele funktioniert nichts und auf einmal geht jeder Gurkenwurf rein.“

Ausschlaggebend für den nächsten großen Sieg gegen den WM-Dritten waren in der Schlussphase auch die guten Nerven. Als Frankreich sieben Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor herankam, blieben Kapitän Johannes Golla und seine Mitspieler cool. Im Halbfinale am Freitag trifft die DHB-Auswahl nun auf Vizeweltmeister Kroatien. Dänemark sicherte sich den Gruppensieg. Für Deutschland geht es am Wochenende um die erste EM-Medaille seit dem Gold-Coup von 2016.

Der Wille war dem deutschen Team von Beginn an anzumerken. Mit Wolff, der nach dem Dänemark-Dämpfer in die Startformation zurückkehrte, im Tor und ganz viel Offensivdrang legte die DHB-Auswahl los. Hinten machte Franzosen-Star Dika Mem der deutschen Deckung zwar zu schaffen, doch die Angriffseffektivität war diesmal top.

Als nach ausgeglichener Anfangsphase (7:7) auch die deutsche Deckung auf Betriebstemperatur kam, acht Minuten ohne Gegentreffer blieb und dazu Wolff nach einer Viertelstunde noch die ersten Bälle zu fassen bekam, setzte sich Deutschland binnen kurzer Zeit auf 11:7 (18.) ab. „Angriff ist super. Da machen wir weiter unser Ding nach vorn“, sagte Gislason: „Unser Problem war bislang nur Dika Mem. In der zweiten Welle versuchen wir den offensiver anzunehmen, ansonsten ist die Abwehr da. Andi ist super.“

Gesagt, getan. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer und der eingewechselte Knorr drehten nun richtig auf. Das Tor zum 15:11 (25.) bedeutete Knorrs fünften Treffer im fünften Versuch, zur Pause stand er sogar bei sechs. „Wir brauchen weiter Kompaktheit, Härte und Intensität“, sagte Matthes Langhoff in der Halbzeit im Zweiten: „Wir müssen weiter voll fokussiert sein, 100 Prozent geben und keinen Schritt zurückweichen.“

Dies beherzigte Knorr. Als er mit seinem Treffer beim zehnten Wurf zum 24:19 (35.) einnetzte, musste selbst er kurz grinsen. Doch Frankreich ließ sich nicht entmutigen und robbte sich wieder heran. Weil das DHB-Team sich nun einige Fehlwürfe erlaubte, schmolz die Führung bis zwölf Minuten vor dem Ende bis auf ein Tor (29:28). Aber Deutschland behielt die Nerven.

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