Verstehen sich gut: US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino (re.). © CARVALHO/Imago
Frankfurt – Die Debatte über einen Boykott der Fußball-WM und die Sicherheit der Fans nimmt weiter Fahrt auf, doch der drohenden „Inquisition“ sieht Mitinitiator Oke Göttlich gelassen entgegen. „Mir rinnt der Angstschweiß die Wirbelsäule runter“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) mit Blick auf die DFB-Präsidiumssitzung voller Ironie: „Wir werden am Freitag diskutieren. Man muss sich nicht hinter Formalien verstecken.“
Mit dieser Ansage wehrte sich Göttlich, der bereits bei der DFL-Präsidiumssitzung am Dienstag Rede und Antwort stehen musste, vehement gegen die harsche Kritik der Verbandsbosse Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke an seinem Vorstoß viereinhalb Monate vor der Endrunde (11. Juni bis 19. Juli). „Ich habe keinen Boykott gefordert, nur eine Diskussion anstoßen wollen“, sagte der Präsident des FC St. Pauli.
Zuvor hatten DFB-Boss Neuendorf und Ligapräsident Watzke ihren Unmut darüber geäußert, dass Göttlich die Debatte angesichts der großen Fragezeichen hinter Co-Gastgeber USA forciert hat. „Das ist gar keine große Debatte. Wir sind sehr einmütig beim DFB, dass wir diese Debatte zum jetzigen Zeitpunkt für völlig verfehlt halten“, sagte Präsident Neuendorf – und stellte seinen seit November im Amt befindlichen Vize in den Senkel: „Es ist eine Stellungnahme gewesen eines einzelnen Vertreters aus dem Präsidium. Der Kollege ist noch nicht so lange dabei. In der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen in den Gremien besprechen. Er ist leider vorgeprescht. Die Debatte kommt zur Unzeit und ist für uns kein Thema.“
Gleichzeitig kündigte Neuendorf allerdings an, dass das Präsidium am Freitag doch über die Thematik beraten wolle. Dabei dürfte es auch um die Sicherheit deutscher Anhänger gehen. „Das muss jeder Fan zunächst einmal für sich selbst entscheiden – mit der Unterstützung der Bundesregierung“, äußerte Neuendorf.
Angesichts des Vorgehens von US-Bundesbeamten in Minneapolis mit Todesschüssen auf zwei Zivilisten rät die Bundesregierung seit Montag Reisenden zu erhöhter Vorsicht.