„Slalom ist intensiver als Abfahrt“

von Redaktion

Tina Maze über die Olympia-Chancen von Lindsay Vonn und Interviews mit Emma Aicher

Als Kamerafahrerin 2025 unterwegs: Tina Maze kennt die Tofana bestens. © Klansek/Imago

Karriere vollendet: Tina Maze, Olympiasiegerin 2014. © imago

Cortina d‘Ampezzo – Tina Maze hat im alpinen Skisport eine der größten Karrieren hingelegt: In den harten Anfängen schlief die Slowenin noch im Auto, wenn sie auf Rennen unterwegs war, neun Jahre im Weltcup benötigte sie bis zum ersten Sieg. Zwischen 2009 und 15 räumte sie richtig ab: Doppelolympiasiegerin in Sotschi (2014), zwei Silbermedaillen in Vancouver (2010), viermalige Weltmeisterin, 26 Weltcupsiege, die sie auf alle Disziplinen verteilte; auch den Gesamtweltcup gewann sie. Die heute 42-Jährige lebt im Winter in der Nähe von Cortina d‘Ampezzo, einem der Austragungsorte der Winterspiele 2026. Für Eurosport wird sie als Expertin arbeiten.

Tina, die Skipisten von Cortina kennen Sie bestens.

Ja, vor allem die Tofana-Abfahrt zwischen den Felsen. Sie ist eine der schönsten. Nicht sehr schwierig, aber mit vielen Wellen, es dauerte einige Jahre, bis ich besser war als Vierte. Der Schnee ist so trocken, du hast immer ein gutes Gefühl auf dieser Strecke – auch wenn du langsam fährst.

Die Welt wird auf Lindsay Vonn blicken, Ihre alte Rivalin, die ein Jahr jünger ist als Sie und ihr Comeback mit einem weiteren Olympiasieg krönen könnte. Überrascht, wie gut Sie wieder ist?

Überhaupt nicht. Ich habe schon letzte Saison ein Podium bei ihr erwartet, aber da war es wohl zu eisig. Sie hat immer trainiert, sie hat keine Familie, aber ein sehr großes Team hinter sich, mit Physiotherapie, mit Red Bull. Und das Gefühl fürs Fahren, das war bei ihr gleich wieder da, das habe ich sofort gesehen.

Aber so schnell mit Teilprothese am Knie?

Ich wusste zunächst nicht, ob das Knie komplett neu ist und habe sie gefragt: ,Wie machst du das?‘ Es ist so, dass bei ihr das einfach funktioniert. Medizin und Physiotherapie, dazu die Ernährung, die Möglichkeiten der mentalen Einstellung, das alles spielt in den Sport inzwischen rein. Früher, als Karrieren bis 30 gingen, war das nicht so. Und für eine Abfahrerin hat sie die perfekte Struktur und Aerodynamik. Man muss allerdings sagen: Abfahrt ist körperlich nicht so intensiv und fordernd wie Slalom und Riesenslalom, deshalb war das Comeback von Marcel Hirscher schwieriger. Abfahrt ist mehr eine Material-. Gefühls- und Mentalitätssache.

Im Skisport ist mal die Zeit der Allrounderinnen, mal die der Spezialistinnen. Die deutsche Medaillenhoffnung Emma Aicher ist eine, die alles fährt.

Ich freue mich, dass sie das macht. Sie ist im Aufstieg, noch nicht oben, sie entwickelt sich. Ich sehe sehr gerne junge Athleten, die den Durchbruch schaffen können. Julia Scheib (Österreich, d. Red.) erinnert mich an mich selbst, als ich 16 war. Julia führt so simpel, sie besteht gegen eine Alice Robinson (Neuseeland), die so viele Muskeln und ungeheure Kraft hat. Es ist einfach interessant, wie viele Typen gleichzeitig erfolgreich sein können. Neben Julia Scheib gefallen mit von den Jungen Lara Colturi (startet für Albanien) und Emma Aicher.

Emma Aicher ist auch bekannt für ihre, nun ja, etwas schnöde Art.

(lacht) Ja, ich verfolge das über die Sozialen Medien. Ich habe sie einige Male interviewt, und das fiel auch bei mir ziemlich kurz aus. Sie sagt, dass es doch nur ums Skifahren geht, aber am Ende hat sie damit ja recht. Es geht um die Zeit, nicht um Meinungen. Ich wollte auch nicht groß reden, als ich jung war. Ich habe dann halt gelernt, dass ich mich öffnen muss. Und ich habe gesehen, wie offen Lindsay gegenüber Medien und Öffentlichkeit war. Gut, Amerikaner sind so, sie lieben die Show, bei uns in Europa ist man zurückhaltender.

Was raten Sie Olympia-Debütantinnen?

Für mich war beim ersten Mal das Resultat nicht wichtig. 2002 in Salt Lake City habe ich genossen, dass während der Spiele N‘Sync ein Konzert gegeben hat und ich Justin Timberlake gesehen habe… Jetzt sind viele der Jungen so gut, dass sie bei ihrer ersten Olympia-Teilnahme schon um die Medaillen fahren können. Wenn du also die Chance hast – mach‘ es!

INTERVIEW: GÜNTER KLEIN

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