Hofft auf unterhaltsamen Flug: John-Jason Peterka. © IMAGO/Kim Klement Neitzel
Olympia-Einweisung von der Freundin: Moritz Seider. © IMAGO/Brian Bradshaw Sevald
Spätes Karrierehoch: Der bärenstarke Eishockey-Keeper Philipp Grubauer. © IMAGO/Steven Bisig
München – In dem Charterflieger, der Ende kommender Woche von New York aus in den Himmel steigen und sich Richtung Mailand orientieren wird, werden etwa 220 Spieler aus der National Hockey League (NHL) sitzen. Alle 32 Teams der NHL sind mit mindestens einem Akteur vertreten, elf der zwölf fürs Eishockey-Turnier qualifizierten Nationalmannschaften (nur Gastgeber Italien nicht) greifen auf Profis aus Übersee zurück, die Teams von USA, Kanada und Schweden setzen sich komplett, auf allen 25 Positionen, aus NHL-Personal zusammen. Was für eine Ansammlung von hochdotierten Stars über den Wolken.
Leon Draisaitl, der bestverdienende Eishockeyspieler der Welt (14 Millionen Dollar per anno), wird im offiziellen NHL-Flieger womöglich fehlen. Sollte ihn der Ruf ereilen, deutscher Fahnenträger zu werden, würde man ihm eine Verbindung ab Calgary buchen, wo er nach deutscher Zeit in der Nacht zu Donnerstag noch spielt. Der Star-Charter landet in Italien erst, wenn das Olympische Feuer schon brennt. Aber das wird interessant sein, wie sich all die Größen des Sports am 7. Februar in der Maschine platzieren: sortiert nach Clubs, nach Nationen, nach Freundschaften? John-Jason Peterka, der Münchner, der für die Utah Mammoth spielt, sagt, er würde bei freier Platzwahl am liebsten „in einer Reihe mit Timmy und Reichi sitzen, das wären angenehme acht Stunden“. Peterka, Tim Stützle (Ottawa) und Lukas Reichel (Vancouver) sind ein Jahrgang, „wir haben schon bei der U20-WM in einem Sturm gespielt“. Vielleicht wird es auch eine Formation in Mailand.
Richtig Zeit, sich mit den Reisedetails zu beschäftigen, hat noch keiner der NHL-Spieler. Moritz Seider weiß nur, dass sein letztes Spiel vor der Unterbrechung der Liga in Utah bei Peterka sein wird, er dann aber mit seinem Team, den Red Wings, erst mal zurück nach Detroit jettet und dort seine Sachen packt, bevor es weitergeht nach New York. „Es steht gerade viel auf dem Spiel, wir performen gerade gut, warum sollten wir uns das nehmen?“, schiebt er Olympia „bis zum Reality-Check“ weit weg. Nicht ausweichen konnte er aber den Gesprächen mit Lebensgefährtin Anna Seidel, die als Shorttrackerin schon bei drei Olympischen Spielen war: „Sie hat mir ans Herz gelegt, dass ich alles genießen soll – und dass das Büffet 24/7 geöffnet ist.“
Philipp Grubauer wollte sich neulich mit der ARD-Doku übers deutsche Eishockeyteam auf Olympia einstimmen, „ich habe den Link gekriegt, doch der ist in Seattle nicht aufgegangen“. Daher hat der Rosenheimer, der ein spätes Karrierehoch erlebt, sich wieder aufs Hier und Jetzt konzentriert. Er ist derzeit einer der besten Torhüter in der NHL. „Im Sommer habe ich nichts anderes gemacht als sonst“, sagt er. Hilfreich war für ihn der Trainerwechsel bei den Kraken: „Voriges Jahr hatten wir gefühlt gar kein System, jetzt spielen wir verteidigungstechnisch orientiert, als Keeper muss ich nicht so aggressiv sein, kann das Spiel lesen.“ Vor allem: „Ich sitze keine vier Wochen mehr auf der Bank, sondern kriege auch mal drei, vier Spiele am Stück.“
17 Spiele hatte Grubauers Team im Januar, aus dem Hochbetrieb heraus geht es nun bald nach Europa. „Das ist eine gewaltige Zeitverschiebung“, sagt er. „Grubi“ muss als Westküstler noch drei Stunden mehr verarbeiten bis zum Beginn des Olympia-Turniers am 11. Februar.
Wenig haben sich die deutschen NHL-Cracks mit der in Mailand vorherrschenden Eisproblematik (Feld einen Meter zu kurz, Bau der großen Halle im Verzug) beschäftigt. Moritz Seider sieht darin „vor allem ein Medienthema. Was man hört, wird alles fertig“. JJ Peterka meint: „Der Unterschied ist nicht enorm. Am Ende freut sich jeder so krass auf Olympia, dass es Nebensache ist.“GÜNTER KLEIN