Spieler des Spiels: Juri Knorr zeigte gegen Frankreich laut Gislason sein bestes Spiel im DHB-Dress. © Schuldt/dpa
Gislason traf viele richtige Entscheidungen. © Amstrup/EPA
Sie sind immer „füreinander da“: Deutschlands Handball-Ensemble feiert nach dem Sieg gegen Frankreich und spielt nun gegen Kroatien um den Einzug ins EM-Finale. © Schuldt/dpa
Herning – Der Moment hatte etwas Magisches. Juri Knorr, Deutschlands so begnadeter Spielmacher, stand in der Mixed Zone, er lachte. Ehrlich, unbekümmert, erleichtert, befreit. Befreit von seinen Selbstzweifeln – und bereit für den Halbfinal-Kracher gegen Vizeweltmeister Kroatien.
„Ich probiere einfach, den Moment zu genießen und alles reinzuhauen in diesem Halbfinale“, sagte Knorr vor der Partie am Freitag (17.45 Uhr/ARD). Im Kampf um die erste EM-Medaille seit dem legendären Triumph der Bad Boys 2016 könnte der Zehn-Tore-Mann zum X-Faktor werden. Es sei „fast ein bisschen kitschig“ gewesen, als er nach dem Spiel als Man of the Match ausgezeichnet wurde, sagte Knorr, „weil mein Vater ziemlich direkt vor mir stand“. Zudem habe er seine Freundin Friederike „zwischendurch irgendwo auf dem Videowürfel gesehen“.
Mit einem Knorr in der Form vom Hauptrunden-Finale gegen Frankreich (38:34), dem laut Bundestrainer Alfred Gislason „besten Länderspiel“ des Regisseurs, ist jetzt sogar Gold möglich. „Es wurde ja im Vorfeld schon ein bisschen angepriesen, dass es jetzt zehn Jahre her ist. Es wäre doch schön, es zu wiederholen“, sagte Jannik Kohlbacher, einer von drei verbliebenen 2016er-Europameistern im deutschen Kader.
Im Halbfinale geht es gegen die von Dagur Sigurdsson betreuten Kroaten nun ausgerechnet gegen jenen Trainer, der Deutschland vor zehn Jahren zum EM-Titel geführt hatte. Gislason legte den Fokus aber ganz auf sein Team. Für das Finale werde man „nicht weniger Leistung bringen müssen“ wie bei der Offensiv-Gala gegen Frankreich. Im zweiten Halbfinale (20.30 Uhr/ARD) stehen sich Topfavorit Dänemark und Island gegenüber.
Gislason warnte davor, die Kroaten zu unterschätzen. Die beiden Siege (32:29, 33:27) unmittelbar vor der EM bezeichnete der Isländer als „Trainingsspiele, die zählen gar nichts“. Er erwartet „sehr hartes Spiel in dem Sinne, dass die Mannschaft unwahrscheinlich über sich hinauswachsen kann. Die haben einen super Charakter und die werden mit einer riesigen Stimmung da reinkommen.“
In Sachen Stimmung dürfte seine Mannschaft der kroatischen allerdings in nichts nachstehen. Zumal Knorr nach für ihn schwierigen Tagen nun auch voll auf der Höhe ist. „Natürlich freue ich mich, dass ich endlich mal wieder einen Ball in dieses rechteckige Ding bekommen habe“, sagte Knorr. Nach Tagen der Ungewissheit, auch des Selbstzweifels, entluden sich die aufgestauten Emotionen.
Auch Knorrs Mitspieler freuten sich für ihn. Schlüpften in den Spielen zuvor Miro Schluroff, Renars Uscins, Marko Grgic oder Andreas Wolff in die Hauptrollen, war es gegen Frankreich Knorr. Einer für alle und alle für einen, so lautet das Motto des DHB-Teams – wie im weltberühmten Abenteuerroman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas.
„Das ist genau das, was dieses Turnier wahrscheinlich am besten beschreibt“, sagte Knorr: „Das ist so viel Gutmütigkeit, so viel Wohlwollen für den Nebenmann in der Mannschaft. Egal, wer gerade auf der Platte steht, wer gerade ein schlechtes Spiel macht, wer gerade ein gutes Spiel hat – wir sind füreinander da.“
Deutschlands Handball-Musketiere, freuen sich nun auf ihren nächsten Kampf gegen Kroatien. Mut und Zuversicht sind grenzenlos.SID