5-Stunden-Drama ohne Happy-End

von Redaktion

„Bitteres Ende“ nach Fünfsatz-Krimi gegen Alcaraz: Zverev verpasst Melbourne-Finale

Favoritin auf den Titel: Aryna Sabalenka. © KHAN/AFP

Freundschaftliches Ende nach 5:27 Stunden.

Nur Krämpfe oder ein Ziehen? Der Spanier trickste sich zu einer Auszeit. © Ross/EPA, Carrett/EPA

Alexander Zverev empörte sich gegenüber einem Turnieroffiziellen über das umstrittenes Time-Out von Carlos Alcaraz am Ende des dritten Satzes. © Ratnayake/dpa

Melbourne – Alexander Zverev fiel dem schwer gezeichneten Carlos Alcaraz um den Hals, dann schleppte er sich unter donnerndem Applaus geknickt in die Katakomben der Rod Laver Arena. Der große Karrieretraum des Hamburgers vom ersten Grand-Slam-Titel ist bei den Australian Open nach einem mehr als fünfstündigen Drama abermals geplatzt. Zverev verlor gegen den zwischenzeitlich angeschlagenen Weltranglistenersten Carlos Alcaraz ein episches Halbfinale in Melbourne mit 4:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:3), 7:6 (7:4), 5:7.

„Ein bitteres Ende für mich, aber ehrlich gesagt hatte ich absolut nichts mehr im Tank“, sagte Zverev kurz darauf: „So ist das Leben. Ich bin deutlich zu müde, um emotional zu sein. Wir sind beide an unser absolutes Limit gegangen.“ Alcaraz ließ sich letztlich auch von zwischenzeitlichen Krämpfen nicht aufhalten und rang den Deutschen, der schon zum Matchgewinn aufgeschlagen hatte, in 5:27 Stunden nieder.

„Du musst immer an dich selbst glauben, egal wie sehr du strauchelst“, sagte Alcaraz im Anschluss an eines der spektakulärsten Grand-Slam-Halbfinals der Tennisgeschichte: „Das war körperlich eines der schwierigsten Matches, die ich je gespielt habe. Ich musste mein Herz in jeden Ball reinlegen.“

Er trifft am Sonntag auf der Jagd nach seinem siebten Grand-Slam-Triumph auf Altmeister Novak Djokovic (Serbien), der in einem sensationellen Match Jannik Sinner bezwang. „Mir fehlen die Worte. Das fühlt sich surreal an. Das Level an Intensität war unglaublich hoch. Ich wusste, das war der einzige Weg für mich, gegen ihn zu gewinnen“, sagte Djokovic.

Zverev, der 2025 im Endspiel am Italiener Sinner gescheitert war, verpasste hingegen den Einzug in sein viertes Major-Finale. Für den Hamburger heißt es weiter warten – darauf, der erste deutsche Grand-Slam-Sieger seit Boris Becker 1996 zu werden. Beim Turnier in Melbourne hatte er bereits den 40. Versuch gestartet, dieses Ziel zu erreichen.

Bei Temperaturen um die 30 Grad entwickelte sich eine umkämpfte Partie, die beide Spieler hochkonzentriert angingen. Alcaraz verzichtete weitgehend auf seine emotionalen Ausbrüche und Zverev ließ gelegentlich das mutige Spiel aufblitzen, das ihn in den vergangenen Tagen so stark gemacht hatte.

Doch im ersten Satz schenkte er Alcaraz mit zwei Doppelfehlern beim Stand von 4:4 praktisch das entscheidende Break. Im zweiten schlug er zum Satzgewinn auf, doch sein Service ließ ihm im Stich.

Dann aber wurde es dramatisch. Die Hitze schien Alcaraz plötzlich Probleme zu bereiten – er hatte offenbar mit Krämpfen im Oberschenkel zu kämpfen. Alcaraz konnte nicht mehr rund laufen und dehnte sich mehrfach auf dem Platz, er spielte die Bälle jetzt nur noch aus den Armen heraus.

Beim Stand von 5:4 für den Spanier genehmigte Schiedsrichterin Marijana Veljovic dem Weltranglistenersten eine Behandlungspause. „Er hat Krämpfe, der kann doch kein Medical nehmen. Das ist doch ein absoluter Scheiß“, rief Zverev aufgebracht und sagte in Richtung Oberschiedsrichter: „Ihr protectet die beiden. Das kann nicht euer Ernst sein.“ Damit spielte er wohl auf Alcaraz und Jannik Sinner an, die seinem Empfinden nach besonderes behandelt werden. Eurosport-Experte Boris Becker gab ihm Recht „Da hat sich Sascha zu Recht aufgeregt. Hätte Alcaraz da weiterspielen müssen, hätte er es vielleicht nicht geschafft und der Sieger hätte Alexander Zverev geheißen.“

Nur kam es anders. Zverev holte sich zwar die Sätze drei und vier, doch im entscheidenden fünften Durchgang schlug Alcaraz zurück.

Artikel 7 von 11