Der nächste Schock

von Redaktion

Ausgerechnet Crans-Montana: Olympia-Favoritin Vonn heftig gestürzt – Rennabbruch

Lindsey Vonn stürzte in Crans-Montana © Screen/ZDF

Im Ziel herrschte noch Unklarheit. © Coffrini/AFP

Crans-Montana – Lindsey Vonn fiel mit schmerzendem Knie ihrer Teamkollegin Jacqueline Wiles in die Arme und kniff die Augen zusammen. An der Schulter ihrer Freundin gab die schwer gestürzte Speed Queen einen kurzen Lagebericht ab, dann verschwand sie humpelnd im Untersuchungszelt – und von der Skibühne? Nach Vonns Unfall bei der später abgebrochenen Weltcup-Abfahrt im Schweizer Unglücksort Crans-Montana nur neun Tage vor Olympia bangt die Szene um ihren größten Star.

„Wir sind nicht ganz sicher, sie wird jetzt untersucht“, sagte Vonns Trainer, der frühere Weltklasse-Abfahrer Aksel Lund Svindal, im ORF über die 41-Jährige. Sie habe „ein bisschen Schmerzen im linken Fuß und linken Knie“ gehabt, „aber ich bleibe positiv“, ergänzte der Norweger.

Eine gute Woche vor dem Rennen, in dem sie ihr famoses Comeback mit ihrer zweiten Goldmedaille bei einer Olympia-Abfahrt nach 2010 krönen will, verlor Vonn nach dem Sprung ins „Fuchsloch“ das Gleichgewicht. Sie geriet in Rückenlage und schlug schließlich im Fangnetz ein.

Die US-Amerikanerin blieb anfangs schwer atmend im Schnee liegen, konnte nach einigen Minuten Behandlungszeit aber selbstständig zu Tal fahren. Unterwegs blieb sie jedoch mehrmals stehen und hielt sich ihr linkes Knie. Die Teilprothese, die ihr die erfolgreiche Rückkehr in den Weltcup ermöglicht hatte, hat sie rechts.

Vor Vonn, die mit der Startnummer sechs auf die anspruchsvolle Piste „Mont Lachaux“ gegangen war, stürzten bereits zwei weitere Athletinnen. Die Österreicherin Nina Ortlieb kam mit einem „blauen Fleck am Kinn“ davon, wie sie erzählte. Marte Monsen (Norwegen) musste mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden.

Weil die Sicht auf die unruhige Piste wegen Schneefalls immer schlechter wurde, wurde das Rennen nach Vonns Sturz abgebrochen. Die Athletinnen im Startbereich, darunter Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann, reagierten mit großem Unverständnis. „Alle haben gesagt: Wir verstehen die Absage nicht so hundertprozentig“, meinte Athletensprecherin Cornelia Hütter aus Österreich. Renndirektor Peter Gerdol hielt dem entgegen: „Wir wollen keine Verletzungen haben.“

Über dem Rennwochenende liegt ein Schatten, der Weltcup steht ganz im Zeichen der Brandkatastrophe von Crans-Montana am 1. Januar. Der Zielbogen ist in Schwarz gefärbt, es gibt keine Partys, die Sponsoren verzichten auf ihre Werbeflächen, auf den Banden wird der Opfer gedacht: „Unsere Gedanken sind bei euch.“ SID

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