Nur noch ein Sieg fehlt bis zum Titel-Coup: Die deutschen Handballer um Julian Köster (vorne) haben sich durch eine famose Leistung bis ins EM-Finale gespielt. © DHB
Anspielung auf zwei entscheidende Turnier-Szenen: Alfred Gislason bekam von der ARD einen goldenen Buzzer.
Wieder mal ein starker Rückhalt: Torhüter Andreas Wolff überzeugte auch gegen Kroatien. © Nackstrand/AFP
Herning – Schon Sekunden vor dem Abpfiff rissen Deutschlands Handballer die Arme in die Luft und als die Schlusssirene ertönte, schrie auch Bundestrainer Alfred Gislason die Freude über den Einzug ins EM-Finale heraus. Die DHB-Auswahl setzte sich im Halbfinale gegen Angstgegner Kroatien mit 31:28 (17:15) durch und greift jetzt nach Gold.
„Ich bin extrem stolz auf die Jungs, durch diese Todesgruppe durchgekommen und nun im Finale zu sein. Das ist eine phänomenale Leistung“, sagte Gislason in der ARD. „Wieder eine grandiose Teamleistung“, betonte Julian Köster, nachdem er noch das Sieger-Selfie mit seinen Mitspielern gemacht hatte. „Es macht richtig Bock mit der Mannschaft.“
Wiedersehen mit den Super-Dänen
Im Endspiel am Sonntag trifft der Olympia-Zweite Deutschland erneut auf die dänischen Überflieger um Welthandballer Mathias Gidsel (31:28 gegen Island). In der Hauptrunde verlor die DHB-Auswahl mit 26:31. Die erste Medaille bei einer EM seit dem Titel 2016 ist aber sicher.
Vor 15 000 Zuschauern in Herning war Lukas Zerbe mit sechs Treffern bester Werfer des DHB-Teams. „Es war über 60 Minuten eine super Mannschaftsleistung“, sagte der Rechtsaußen: „Wir freuen uns heute, regenerieren gut und freuen uns dann aufs Finale.“ So wie sie heute verteidigt hätten, könnten sie jede Mannschaft schlagen.
Für die deutsche Auswahl war es der erste Pflichtspielsieg gegen das Team des früheren Bundestrainers Dagur Sigurdsson seit 2019. In der unmittelbaren EM-Vorbereitung gewann Deutschland zwei Testspiele.
Für Sigurdsson war es eine ganz spezielle Partie, führte er Deutschland 2016 doch sensationell zum Titel. Aus dem aktuellen DHB-Kader waren damals schon Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Rune Dahmke mit dabei. „Für 60 Minuten pausiert die Freundschaft“, hatte Kohlbacher angekündigt.
Daran gab es spätestens nach Sigurdssons Ausraster am Vorabend keinen Zweifel. In einer Schimpftirade prangerte der 52-Jährige die enge Spieltaktung und Reisestrapazen für sein Team an. Anders als Deutschland absolvierte Kroatien zuletzt zwei Partien binnen zwei Tagen und musste am spielfreien Donnerstag von Schweden nach Dänemark reisen. Die Europäische Handballföderation (EHF) kündigte Anpassungen der Spielpläne bei künftigen Turnieren an.
Wut war in der Anfangsphase vor allem bei Wolff zu spüren, der seine Vorderleute regelmäßig zusammenstauchte. Ohne den weiterhin kranken Abwehrchef Tom Kiesler offenbarte Deutschland große Lücken und ermöglichte den Kroaten einige leichte Tore vom Kreis.
Die eigenen Ballverluste im Angriffsspiel machte Wolff zunächst mit Paraden wett. Deutschland tat sich anfangs schwer. Spielmacher Knorr strahlte viel Torgefahr aus, agierte aber zu verspielt.
Nach Wolffs acht Paraden bis zur Pause sah Gislason keinen Anlass für einen Wechsel im Tor. Dank starker Defensivleistung zog Deutschland auf 20:16 davon. Die anfangs noch lautstarken kroatischen Fans verstummten immer mehr. Und bei der DHB-Riege funktionierte plötzlich alles. Vor allem Kreisläufer Justus Fischer ragte mit drei Blocks innerhalb weniger Sekunden heraus.“
„Wie geil verteidigen wir denn da bitte gerade“, schwärmte Handball-Ikone Stefan Kretzschmar bei Dyn. Beim 26:19 eine Viertelstunde vor Spielende glaubten nur noch Wenige an ein kroatisches Handball-Wunder. Auch, weil Deutschlands Außenspieler Lukas Mertens und Zerbe nahezu fehlerfrei spielten.
In der Schlussphase schlichen sich wieder einige Fehler ins deutsche Spiel, doch die DHB-Auswahl ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen.DPA