Kein erwärmender Auftritt: 1860-Trainer Kauczinski fieberte dick eingepackt mit – meist vergeblich. © Imago / Kolbert-Press
Eine von vielen Elfmeterszenen: Gindorf bringt Aachen in Führung. Zuvor hätte es Strafstoß für 1860 geben müssen. © Imago
Gefährlicher Maskenmann: Sieben Wochen nach seinem Kieferbruch feierte Sigurd Haugen sein Wettkampf-Comeback. Nach 72. Minuten wurde er eingewechselt – prompt rührte sich was im Löwen-Angriff. © Imago /Kolbert-Press
München – Um kurz nach halb vier am Samstag wurde das Murren auf der Haupttribüne im Grünwalder Stadion lauter und lauter. Bei den Zuschauern verfestigte sich in der 75. Spielminute mehr und mehr der Eindruck: Die Löwen werden, zumindest in der aktuellen personellen Lage, auch in dieser Saison nichts mit dem Aufstieg zu tun haben. Zu schwach präsentierte sich 1860 gegen Kellerkind Aachen. Der 2:2-Endstand bringt Sechzig in der Tabelle nicht von der Stelle.
„Ich bin mit unserer Leistung heute überhaupt nicht zufrieden. Das war nicht gut genug, um zu gewinnen – wir haben nicht mehr verdient“, redete Löwen-Coach Markus Kauczinski nach dem Abpfiff nicht lange um den heißen Brei herum. Ein niedergeschlagener Patrick Hobsch sah es in der Mixed Zone genauso wie sein Trainer.
Lange bevor sich der enttäuschende Ausgang des Nachmittags für die Löwen abzeichnete, stand wieder einmal der Schiedsrichter im Fokus. Martin Wilkes Pfeife blieb zum Entsetzen aller Blauen stumm, als David Philipp nach acht Minuten im Strafraum klar von Marius Wegmann am Sprunggelenk getroffen wurde. In der Nachspielzeit dann hatte Wegmann erneut riesiges Glück. Comebacker Sigurd Haugen, in der 72. Minute eingewechselt, war auf und davon, ehe er vom Aachener Verteidiger kurz vor dem Strafraum zu Fall gebracht wurde. Erneut ließ Wilke weiterspielen, wurde anschließend unter einem gellenden Pfeifkonzert aus dem Stadion geleitet. „Es ist verrückt, einfach unglaublich. Wir fühlen uns mit diesen Schiedsrichtern ein bisschen so, als müssten wir ständig bergauf rennen“, schimpfte der Norweger nach dem Spiel.
Zur Ehrenrettung Wilkes: Er entschied bei zwei Situationen im Strafraum auch richtig. Nach 17 Minuten leistete sich Philipp Maier einen katastrophalen Aussetzer im eigenen Sechzehner. Der Sechser zog seinen Gegenspieler anschließend am Trikot, Elfmeter für Aachen. Lars Gindorf, nach Informationen unserer Zeitung im Sommer auch ein Kandidat bei 1860, traf zur Gästeführung. Rückstände belasten die Löwen bekanntlich wenig aktuell, Maier machte seinen Aussetzer wieder gut und traf nur vier Minuten danach auf der anderen Seite zum Ausgleich.
Kurz nach dem Seitenwechsel gelang den sonst behäbigen Löwen endlich mal ein aggressiver Pressingmoment. Hobsch sprintete nach einem schlampigen Rückpass auf Aachen-Keeper Fotios Pseftis zu, dem der Ball vom Fuß sprang. Der 1860-Stürmer ging dazwischen und wurde auf der Strafraumlinie von Pseftis gelegt. Dieses Mal zeigte Wilke auf den Punkt und Kapitän Thore Jacobsen brachte die Kauczinski-Elf erstmals in der Rückrunde in Führung. Der Vorsprung hielt sieben Minuten lang. Dann bekam Aachen-Motor Mika Schroers im Mittelfeld alle Zeit der Welt, zog aus 25 Metern Torentfernung ab und traf traumhaft in den Winkel. Ein Stich ins Löwenherz, das wohl mindestens ein weiteres Drittliga-Jahr ertragen muss.MARCO BLANCO UCLES