TV-KRITIK

Hallen-Hamlet im Hexenkessel

von Redaktion

Rein oder nicht rein? Diese klassisch-dänische Frage stellte sich gestern im Zweiten Deutschen Handball-Fernsehen. Und das mit dem „Zweiten“ ist wörtlich gemeint. Denn natürlich hätte man das EM-Finale gegen Dänemark lieber bei den ARD-Handball-Narrischen gesehen, mit Dominik Klein und Jogi Bitter. Aber leider lautete die Antwort auf „Klein oder nicht Klein“ gestern „Nicht Klein“. Das ZDF übertrug das Endspiel arg „kedeligt“, wie der Däne sagt, wenn’s langweilig ist.

Det omkringliggende: Sie sollen ja was lernen von uns. Das Drumrum bei so einer Übertragung heißt auf Dänisch nicht Drømrøm, sondern omkringliggende. Herrliche Sprache, herrliche Handballspieler! Der ZDF-Zuständige dafür war Moderator Florian „Flo“ Zschiedrich – und damit nicht gerade der Handball-Shakespeare. Bei ihm klingt Final-Euphorie so: „Die deutschen Leistungsträger bringen Leistung.“ Oder so: „Das hat hier schon was von einem EM-Finaltag.“ Alles andere wäre auch blöd gewesen. Shakespeare hätte geschrieben: Viel Nichts um Lärm. Ein Wunder, dass ich vor Flo nicht floh.

Den forklarende bjørn: Erklär-Bär vom Zweiten beim Hallen-Hamlet war wieder Sven-Sören „Smöre“ Christophersen. Er bekam Gesellschaft von Kanzler Friedrich Merz, der parallel beim Bundesliga-Livestream seines BVB hing, und der zum Dänen-Finale wusste: „Das wird ein verdammt enges Spiel, und es wird sehr sehr spannend.“ Hoffentlich sind seine politischen Prognosen gehaltvoller. Lothar Matthäus wünschte der Mannschaft „Doi Doi Doi“, also quasi: „Doi-Doi-Doitschland vor, noch ein Dor!“ Im Ersten hätten sie gefiebert: „Es rummst, es wummst, wir sind spitz wie Nachbars Lumpi auf den Titel!“ Im Zweiten erklärte Smöre die Action in Herning so: „Wir nehmen das Potential der Lautstärke auf.“

De kommentatorer: Die deutsche Mannschaft war mal als „Bad Boys“ berüchtigt. Christophersen und Martin Schneider sind eher die „Fad Boys“. Die beiden waren schon okay im dänischen Heksekedel (müssen wir nicht übersetzen) – aber so richtig Handball-Fieber konnten sie nicht wecken. Schneider kommentierte das zwischenzeitliche 19:19 eher desinteressiert: „Das ist die Basis für die Treffer vorne.“ Und die Dänen waren für ihn die „Männer aus dem kleinen Königreich“. Der Rest war Schweigen.

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