Plötzlich lieben alle Alfred

von Redaktion

Für Bundestrainer Gislason ist die erfolgreiche EM eine Genugtuung

Zocker am Buzzer: Alfred Gislason. © Schuldt/dpa

Begeisternd: Die deutschen Handballer mit Trainer Alfred Gislason. © Amstrup/EPA,

Herning – Alfred Gislason konnte sich einen kleinen Seitenhieb nach dem umjubelten Einzug der deutschen Handballer ins EM-Finale nicht verkneifen. „Eigentlich müsste ich jetzt ein bisschen austeilen“, sagte der Bundestrainer in Anspielung auf die teils heftige öffentliche Kritik in der Vergangenheit.

„Ich muss immer an 2023 denken, als ich die jungen Leute getestet habe. Leider haben wir damals gegen Spanien, Dänemark und Schweden gespielt. Da sind wir einige Male unter die Räder gekommen und wurden danach dermaßen fertig gemacht in der Presse“, sagte Gislason nach dem 31:28-Sieg im Halbfinale gegen den WM-Zweiten Kroatien.

Im Nachhinein sei es der richtige Weg gewesen, „dass wir an den Jungs festgehalten haben. Das sind unsere größten Talente“, sagte der 66 Jahre alte Isländer und lobte: „Sie haben sich in diesem Turnier weiterentwickelt, sind abgeklärter geworden und als Team zusammengewachsen. Bei dieser EM ins Finale durchzugehen, ist eine sensationelle Leistung.“

Im Kampf um Gold kam es gegen Topfavorit Dänemark am Sonntag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) zu einer Neuauflage des Olympia-Endspiels, das die DHB-Auswahl im Sommer 2024 mit 26:39 deutlich verloren hatte. „Für mich war das Spiel in Lille extrem bitter“, sagte Gislason im Rückblick.

Er sei damals richtig sauer gewesen, „weil ich das Gefühl hatte, dass die Jungs nach einer Viertelstunde das Spiel einfach verschenkt haben. Nach dem Spiel sind alle nach Paris gefahren zur Abschlussfeier, aber ich bin direkt abgehauen, weil ich so enttäuscht war über die Art und Weise, wie wir gespielt haben“, erzählte der Bundestrainer.

Für den Isländer ist der Einzug ins Finale eine Bestätigung und zugleich auch eine kleine Genugtuung – stand er doch nach der Vorrunden-Pleite gegen Serbien massiv in der Kritik. Nun kehrt die DHB-Auswahl definitiv mit einer Medaille nach Hause. „Wenn wir Anfang Januar zusammengesessen und gesagt hätten, das wird auf jeden Fall Silber, dann hätten wir ziemlich betrunken gewirkt“, sagte Gislason.

Bei allem Auf und Ab in der Beurteilung Gislasons, auf eines kann sich der Bundestrainer verlassen: Die Deutschen lieben sein Team, das zeigen die TV-Quoten. Den Finaleinzug am Freitagabend sahen 7,96 Millionen Zuschauer. Dies entsprach einem Marktanteil von starken 40,3 Prozent! Die bisherige Bestmarke bei der EM hatte ebenfalls das Erste bei der Hauptrunden-Niederlage gegen Dänemark mit 7,88 Millionen (29,1 Prozent) erzielt. Mehr als sieben Millionen Zuschauer in Summe hatte bei dieser EM zudem das Duell mit Frankreich (7,02 Millionen/34,3 Prozent) im ZDF. Weitere Highlights: In der Vorrunde gegen Spanien sahen 6,97 Millionen Menschen (27,7) zu.

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