Silber, das wie Gold glänzt

von Redaktion

EM-Krönung verpasst: Super-Dänen zu stark für deutsche Handballer

Selbst in Schräglage nicht zu stoppen: Mathias Gidsel im Duell mit Johannes Golla. © Nackstrand/AFP

Dänemarks Premierministerin Mette Frederiksen und Kanzler Friedrich Merz. © Nackstrand/AFP

Weltmeister, Olympiasieger und jetzt auch Europameister: Dänemark jubelt, Deutschland kann nur zuschauen. © Nackstrand/AFP

Herning – Mit der Silbermedaille um den Hals huschte sogar Andreas Wolff ein Lächeln über das Gesicht. Bei der Siegerehrung realisierten Deutschlands Handballer um ihren überragenden Torhüter allmählich, was sie erreicht hatten. Auf der Tribüne applaudierte Bundeskanzler Friedrich Merz stehend mit Deutschland-Schal um den Hals. „Ich bin stolz auf die Leistung, stolz auf das ganze Turnier“, sagte Kapitän Johannes Golla im ZDF nach der verpassten Krönung in einem epischen EM-Finale in der Hölle von Herning.

Der Triumphzug der DHB-Auswahl von Bundestrainer Alfred Gislason endete am Sonntagabend gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark trotz einer irren Paraden-Show von Wolff. Die 27:34 (16:18)-Niederlage in einem lange Zeit ausgeglichenen und hochintensiven Endspiel schmerzte, mit dem Gewinn der Silbermedaille feierte das deutsche Team ein Jahr vor der Heim-WM aber den größten Erfolg bei einer Europameisterschaft seit dem Titelgewinn vor zehn Jahren.

„Heute sind wir traurig, aber ab morgen werden wir uns vornehmen: Wenn wir nochmal ein Finale gegen die Dänen spielen dürfen, dann wollen wir es gewinnen“, sagte Teammanager Benjamin Chatton bei Dyn.

Die DHB-Auswahl bot dem nun dreimaligen Champion vor 15.000 lärmenden Zuschauern in der ausverkauften Jyske Bank Boxen, darunter neben Merz auch seine dänische Amtskollegin Mette Frederiksen und Dänemarks Königin Mary, einen aufopferungsvollen Kampf. Sie musste sich dem Highspeed-Handball der weltbesten Handballmannschaft am Ende aber geschlagen geben. Das DHB-Team habe sich „mit einer vernünftigen Leistung vom Turnier verabschiedet. Glückwunsch an Dänemark. Wir wollen auf jeden Fall wiederkommen“, sagte Golla.

Bis zum 27:29 (55.) gestalteten Wolff und seine Mitspieler die Partie ausgeglichen, zum Ende drehte Dänemark mit seinen herausragenden Einzelkönnern aber auf. In der Schlussphase schwanden nach einem kräftezehrenden Turnier mit neun Spielen auch die Kräfte, zumal Abwehrspezialist Tom Kiesler nach einem groben Foulspiel an Welthandballer Mathias Gidsel früh die Rote Karte sah. Beste deutsche Torschützen waren Spielmacher Juri Knorr, Golla und Marko Grgic mit je fünf Treffern.

Dänemark, das vor anderthalb Jahren schon das Olympia-Finale gegen Deutschland (39:26) gewonnen hatte, beendete dagegen seinen 14 Jahre dauernden EM-Fluch und holte als erster Gastgeber einer Europameisterschaft seit 2002 den Titel. Zudem machten die Skandinavier als zweites Team nach Frankreich (2010) den Golden Slam des Handballs perfekt und sicherten sich nach Olympia- und WM-Gold auch den EM-Titel.

Für Deutschland, das auf den ersten Pflichtspielsieg gegen Dänemark seit 2016 weiter warten muss, enden mit dem Finale von Herning zweieinhalb intensive Wochen, die der jungen Mannschaft trotz der Final-Niederlage reichlich Rückenwind geben dürften.

Golla und Co. überzeugten nicht bloß mit sechs Siegen, darunter Erfolge gegen Spanien, Frankreich und Kroatien. Sie holten auch die insgesamt fünfte EM-Medaille für eine DHB-Auswahl. Neben den beiden Titeln 2004 und 2016 gewann ein deutsches Team 1998 Bronze sowie 2002 Silber.

SID

Artikel 1 von 11