ZUM TAGE

Tempo, Härte und Belastung

von Redaktion

Trends im Handball

TV-Experte Johannes Bitter, Handball-Weltmeister von 2007, hat für Alfred Gislason einen goldenen Buzzer besorgt. Der Bundestrainer bekam ihn nach dem Halbfinalsieg seiner Mannschaft gegen Kroatien überreicht. Eine echt witzige Aktion, die für mich sinnbildlich ist. Denn sie zeigt, wie eng alles zusammenliegt, sicher nicht nur im Handball: Sieg und Niederlage, Aufstieg und Fall, Euphorie und Häme.

Nach seinem Buzzer-Blackout gegen Serbien, als er zum unglücklichen Zeitpunkt eine Auszeit genommen hatte, war die komplette Arbeit des Isländers von manchen schon infrage gestellt worden. Dieser Trainer hat diese junge Mannschaft aufgebaut und geprägt. Seine Spieler haben unter Druck geliefert und werden, wenn sie gesund bleiben, in Zukunft auch um die Medaillen spielen.

Kein Nationalteam hielt sich bei dieser Europameisterschaft schadlos, jedes zahlte Lehrgeld. Und nie vergessen sollte man, dass in den entscheidenden Situationen immer auch Glück, Pech und die Macht des Schiedsrichters eine Rolle spielen.

Der Trend im internationalen Handball wurde bei diesem kurzweiligen Turnier bestätigt: Tempospiel, Zweikampfhärte und individuelle Klasse sind die Grundvoraussetzung, um ganz vorne mitmischen zu können. Während Kempa-Tricks schon zum Standard gehören, wurde oftmals eher klassischer Handball gespielt. Das einfache Kreuzen der Laufwege zweier Rückraumspieler erwies sich beispielsweise als effektiv, diese Angriffsvariante haben schon die Wunderlichs, Spenglers und Brands angewandt.

Mit einem siebten Feldspieler und – das ist relativ neu – mit einem vierten Rückraumspieler ließen Trainer eher punktuell agieren. Das verwundert mich nicht, spielt die Belastungssteuerung doch eine große Rolle, wenn Teams in 18 Tagen bis zu neun Spiele absolvieren sollen.

Dass sich mit Dänemark und Deutschland die Olympia-Finalisten erneut im Finale trafen, halte ich derweil für keinen Trend. Die Franzosen, auch die Spanier haben eine Verjüngung eingeleitet. Mit ihnen wird bald wieder zu rechnen sein. Ganz klar: Im Handball liegt auch künftig alles eng beisammen.

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