Dayot Upamecano am Dienstag im Training – die Laune war gut. © Ruiz
München – Die Drähte zwischen der Säbener Straße und dem Außenstandort Tegernsee glühten zu Wochenbeginn wegen des Transfer-Pokers um Dayot Upamecano: Einerseits, weil Sportvorstand Max Eberl krank und mit angeschlagener Stimme aus dem Homeoffice in Rottach-Egern agierte. Andererseits, weil nach unseren Informationen auch Ehrenpräsident Uli Hoeneß in seiner Funktion als Aufsichtsrat von Bad Wiessee aus bei den Gesprächen kräftig mitmischte.
In mehreren Telefonanten kamen die Verantwortlichen des deutschen Rekordmeisters um Hoeneß, Eberl, Präsident Herbert Hainer, Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund am Montag zu folgendem Entschluss: Das vorliegende Vertragsangebot von Upamecano wird mit sofortiger Wirkung zurückgezogen, diese Entscheidung teilte die Münchner Führungsriege der Spielerseite auch schriftlich mit.
Nicht umsonst machte rund um den Upamecano-Poker in der Bayern-Chefetage folgende geflügelte Formulierung die Runde: „Kein Spieler ist unersetzlich!“ Von dieser knallharten Verhandlungstaktik sichtlich beeindruckt, suchte der Innenverteidiger – der vor allem zu Sportdirektor Freund ein inniges Verhältnis pflegt – höchstpersönlich das Gespräch und erklärte den Bossen, den vorliegenden Entwurf nun doch unterschreiben zu wollen. Doch zu diesem Zeitpunkt war das Angebot bereits vom Tisch.
Muss Upamencao jetzt um seine Zukunft in München betteln? Die Antwort lautet: Nein! Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Vertragsentwurf wieder aus der Schublade geholt und dem Spieler zur finalen Unterschrift (und bekannten Konditionen) vorgesetzt wird. Darüber sind sich alle Verantwortlichen nach Informationen unserer Zeitung einig.
Während sich am geschätzten neuen Jahresgehalt von ungefähr 20 Millionen Euro nichts ändert, müssen die Upamecano-Berater in einen sauren Apfel beißen: Sie hatten auf eine Einmal-Handgeld-Zahlung in Höhe von ebenfalls 20 Millionen Euro gehofft. Wie unsere Zeitung erfuhr, soll diese Summe „nur“ etwas mehr als 16 Millionen Euro betragen und auf die Vertragslaufzeit von fünf Jahren bis 2031 aufgeteilt werden.
Sky-Experte Didi Hamann hat zur Rolle des FC Bayern im Upamecano-Poker eine gewohnt klare Meinung: „Die Bayern sind Beifahrer bei den Verhandlungen. Die werden von den Beratern am Nasenring durch die Manege geführt. Das ist ein Armutszeugnis!“ Warum? „Wenn sie das Angebot zurückziehen, kann er kein Angebot annehmen, weil es zu dem Zeitpunkt, eine Stunde später, keins mehr gibt. Das ist für den Verein ein Armutszeugnis, wenn das so gewesen sein sollte“, lautet die Argumentation von Hamann.
An der Säbener Straße sieht man das freilich anders: Dort wird die Ansicht vertreten, dass vor allem der öffentliche Klartext-Modus von Hoeneß ( „Ich weiß, dass er und seine Familie sich in München sehr wohlfühlen. Ich fürchte jedoch, dass seine Berater alles tun werden, um ihn aus München wegzulotsen“) und Eberl ( „Jetzt muss irgendwann eine Entscheidung her“) den Spieler dazu gebracht hat, sich von seinen Beratern zu emanzipieren. Mit Erfolg.
Upamecano war im Sommer 2021 für mehr als 40 Millionen Euro von RB Leipzig zu den Bayern gewechselt. Unter Trainer Vincent Kompany ist er einer der absoluten Leistungsträger und Stammspieler. In den vergangenen Jahren leistete er sich auf Top-Niveau regelmäßig entscheidende Patzer. Durch Kompany hat er sich zu einem der Top-Innverteidiger Europas entwickelt. M. BONKE, P. KESSLER, H. RAIF