Antholz – Armin Auchentaller steht kurz vor seinem größten Highlight als Trainer. Der 54 Jahre alte Südtiroler kommt aus Antholz, im Interview erinnert er sich an Kindheitsträume, die mit den Spielen in seinem Heimatort wahr werden. Zudem erzählt er von seinem Vater, der die Anfänge des Biathlons in Antholz hautnah miterlebte. Große Gefühle hat Auchentaller, wenn er über die Karriere seiner Tochter Hannah (24) spricht. Er selbst betreut seit 2018 betreut das Biathlon-Team der USA.
Herr Auchtentaller, wie zufrieden sind Sie aktuell mit Ihrem US-Team?
Auf einer Skala von 0 bis 10 würde ich sagen, wir sind so bei 8,8.
Wo gibt es denn noch Raum zur Verbesserung?
Zum Verbessern gibt es immer was. Man muss immer die Evolutionen des Sports sehen, auch die Evolutionen in Trainingsmethoden und Schießtechnik. Es dreht sich zwar immer um das Gleiche, aber es wird alles ein Tick schneller, ein Tick präziser, auch das Mentale oder die Skipräparierung spielen eine große Rolle. Und es sind so viele Elemente, die einen großen Unterschied machen. Da gibt es immer etwas zu schleifen.
Letztes Jahr hat Campbell Wright mit zwei WM-Silbermedaillen gezeigt, dass er zu den Besten gehört. Hatten diese Erfolge Einfluss auf die Mannschaft oder den Nachwuchs?
Ja, absolut. Wenn jemand Erfolg hat, ist er immer ein Zugpferd oder ein Vorbild für alle anderen. Das gibt bei jedem Training wieder Motivation. Man kann sich in diesem Fall an Campbell orientieren. Wenn andere näher herankommen oder vielleicht mal die Nase vorn haben, dann wissen sie: Das ist nicht so schlecht. Das zu erreichen, war schon ein hartes Stück Arbeit.
Sie arbeiten mit einem ehemaligen Olympia-Sportschützen zusammen. Beim Biathlon geht es aber nicht darum, die perfekte Zehn zu schießen. Wie arbeitet man da?
Matthew Emmons und ich, wir sind schon jahrelang befreundet. Wir teilen da viele Erfahrungen aus. Es gibt viele Sachen, die vom Sportschießen sehr wichtig für das Biathlonschießen sind. Zum Beispiel Position, Druckverhältnisse auf die Schulter, Abzug, Entwicklungen an der Waffe – das kommt vom Sportschießen.
Olympia findet in Ihrer Heimat statt. Haben Sie gewisse Emotionen oder Erinnerungen, wenn Sie an Antholz denken?
Ich bin natürlich sehr, sehr happy, dass ich in Antholz an einer Olympiade teilnehmen kann. Das ist mein Heimatdorf. Mein Vater war schon in den 70er Jahren verantwortlich für den Schießstandaufbau und für die ersten Wettkämpfe. Er ist jetzt pensioniert und sieht, wie sich das Ganze entwickelt hat. Da kommt alles wieder zusammen. Auch Kindheitsträume, die man damals gehabt hat, irgendwann mal Olympia in Italien oder besser gesagt im Heimattal zu haben, werden jetzt wahr. Das ist schon was Cooles.
Was darf man dann vom US-Team erwarten?
Viele Scheiben, die fallen, schnelle Ski und schnelle Beine (lacht).
Ihre Tochter Hannah startet für das italienische Team. Wie blicken Sie auf ihre Karriere?
Ich bin sehr stolz auf sie und in diesem Fall schau ich mehr als Vater zu und ich habe starke Gefühle, wenn es bei ihr gut läuft, aber auch starke Emotionen, wenn es ihr nicht so gut geht. Biathlon ist immer ein Auf und Ab, man ist nie in einer Position, dass man sich sicher fühlen kann. Aber sie macht das sehr, sehr gut und ist, glaube ich, auf einem guten Weg.
Holt sie sich auch ab und zu mal Rat vom Papa?
Absolut, sie kommt gerne und wenn sie kommt, dann helfe ich ihr. Sie muss aber auf mich zukommen, das weiß sie. Und wenn sie mich braucht, bin ich da und dann werde ich ihr immer helfen. Aber dann ist die Beziehung nicht Vater-Tochter, sondern ich bin dann ein Coach, der zu ihr spricht und wirklich die Sachen auf den Punkt bringt. Aber das will sie in solchen Momenten so, sonst würde sie nicht nachfragen.