„Vielleicht ein kleines Wunder“

von Redaktion

Leon Draisaitls Erwartung ans Olympia-Turnier – Handverletzung „nichts Schlimmes“

Mit 30 schon Legende: In der ewigen Scorerwertung der Edmonton Oilers überflügelte Leon Draisaitl kürzlich den 80er-Jahre-Helden Mark Messier und ist nun Vierter. Platz drei (Jari Kurri) ist bereits in Reichweite. © AFP/CODIE MCLACHLAN

München – Am Mittwoch findet in Bozen das Eishockey-Länderspiel zwischen Italien und Deutschland statt. Beginn: 19.30 Uhr. In Kanada ist es dann 11.30 Uhr. Leon Draisaitl wird, wenn es in seinen Tagesablauf passt, den letzten Olympiatest im Stream verfolgen. Um 20.00 Uhr Ortszeit ist er dann selbst auf dem Eis gefragt, mit den Oilers bei den Calgary Flames im Duell der kanadischen NHL-Nachbarn, der „Battle of Alberta“. In Mitteleuropa wird es 4.00 Uhr und Donnerstagmorgen sein.

Bald schon werden die so verschiedenen Welten – die des NHL-Superstars Leon Draisaitl (30), der sich in Kanada nicht frei bewegen kann, und der Spieler, die aus der Deutschen Eishockey Liga kommen und regionale Bekanntheiten sind – in Mailand beim olympischen Eishockey-Turnier zusammengeführt. Bundestrainer Harold Kreis hat mal gesagt, er müsse die in Nordamerika tätigen Cracks wohl mit Zoom-Sitzungen in die Taktik einweisen, doch Leon Draisaitl sagt mit einem Schmunzeln: „Viele Meetings haben wir nicht gehabt.“ Er spielte letztmals 2019 in der deutschen Nationalmannschaft, Bundestrainer war damals noch ganz frisch Toni Söderholm. Also bietet sich für ihn das TV-Fernstudium an. „Die Jungs aus Deutschland kennen das System, und für die Jungs hier wird es nicht das Riesenproblem sein, es zu adaptieren.“ Auch wenn dafür ein paar Trainingstage in Mailand reichen müssen.

Am Donnerstagmorgen deutscher Zeit wird Draisaitl das hochemotionale Spiel in Calgary gerade hinter sich gebracht haben – am Freitagabend könnte er auf einem anderen Kontinent im Fokus stehen und die deutsche Olympia-Delegation ins Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand führen. Er ist einer der drei männlichen Kandidaten als Fahnenträger, „ich fühle mich total geehrt, eine Option zu sein“. Doch er bekundet auch seinen Respekt vor den ebenfalls zur Wahl stehenden Johannes Rydzek (Nordischer Kombinierer) und Tobias Wendl (Rodler). „Überragende Athleten. Ich glaube, es gibt keine falsche Wahl.“ Leon Draisaitl hat ein breit gefächertes Sportinteresse: Als Tourist war er 2024 bei den Olympischen Sommerspielen in Paris, um das Hockeyteam mit seinem Schwager Niklas Wellen zu unterstützen.

Nun wird er selbst bei Olympia sein, „ich merke, dass ich tagtäglich daran denke“. Vor ein paar Tagen großes Zusammenzucken bei ihm und den Fans, als er während des Spiels gegen Minnesota Wild an der Hand behandelt werden musste und zwischenzeitlich in der Kabine verschwand. Nun die Entwarnung: „Es ist nichts Schlimmes.“

Was wird drin sein für das deutsche Eishockey-Team, zu dem neben Draisaitl sechs weitere NHL- und zwei AHL-Spieler stoßen? „Wir haben gute Spieler, die Riesenrollen einnehmen und die Topjungs in ihren Mannschaften sind“, erklärt er. Moritz Seider könnte zum besten NHL-Verteidiger gewählt werden, Tim Stützle steht auf Platz 18 der NHL-Scorerwertung (Draisaitl ist Fünfter), JJ Peterka hat bereits 20 Tore erzielt (zum Vergleich: Draisaitl 27), Philipp Grubauer ist statistisch der sechstbeste Torhüter der Liga. „Vom Talent und wie wir zusammengestellt sind, ist das eine sehr gute Mannschaft“, so Draisaitl, „es wäre zu weit aus dem Fenster gelehnt, wenn wir sagen, wir sind die Favoriten, aber ich sehe uns in der Lage, die Großen ärgern und mitspielen zu können. Vielleicht brauchen wir ein kleines Wunder.“

Draisaitl stellt keine Ansprüche an den Bundestrainer, wer seine Nebenleute sein sollen. „Ich vertraue mit selbst so sehr, dass ich glaube, jeden besser machen zu können.“GÜNTER KLEIN

Artikel 6 von 11