Patrik Schick und Robert Andrich feiern den dritten Halbfinal-Einzug im dritten Jahr. © Vogel/EPA
Leverkusen – Ganz verliebt und mit leuchtenden Augen blickte Robert Andrich auf den goldenen Pokal. „Ich sehe ihn ja täglich zu Hause“, verriet der Kapitän von Bayer Leverkusen nach dem Halbfinal-Einzug, „er steht neben dem Fernseher, ich habe eine zu große Vitrine bestellt, meine Frau hat sich damit abgefunden.“ Und auch wenn er sich im Falle einer Wiederholung des Triumphs von 2024 „keine zweite“ Replik des Cups ins Wohnzimmer stellen wolle, so zieht es Andrich doch zurück nach Berlin.
„Machen wir es kurz. Die Leistung war nicht top top, aber wir sind nur noch einen Schritt von Berlin entfernt“, sagte der 31-Jährige nach dem 3:0 im Viertelfinale gegen den FC St. Pauli. So deutlich das Ergebnis am Ende auch war, so wenig souverän trat der Pokalsieger von 2024 auf. Auch weil die kampfstarken Hamburger ihre zahlreichen Chancen ungenutzt ließen, führten die Treffer von Martin Terrier (32. Minute), Patrik Schick (63.) und des eingewechselten Jonas Hofmann (90.+2) die Werkself zum Sieg.
Das Finale am 23. Mai ist für Bayer heuer wohl die einzig realistische Titelchance. In der Liga und in der Champions League dürfte ein Triumph eher schwierig werden. Auf dem Pokal könne daher „schon ein kleiner Fokus liegen“, sagte Hofmann, der seine Mitspieler vor dem letzten Schritt mit Erfahrungen aus dem Titeljahr motivieren will. Diejenigen, die vor zwei Jahren im Olympiastadion dabei gewesen seien, „werden den anderen noch mal erzählen, wie schön es dort ist, etwas Blecherndes in die Höhe zu stemmen“.
Die Ergebnismaschine von Trainer Kasper Hjulmand, die zum Start ins Jahr mächtig stotterte, läuft jedenfalls wieder rund. „Wenn wir in Berlin sind und das Ding hochhalten, fragt keiner mehr danach“, sagte Andrich nach dem glanzlosen Sieg. Der dritte Halbfinal-Einzug in drei Jahren täuschte am Dienstag aber nicht über die Mängelliste der im Sommer runderneuerten Rheinländer hinweg. „Am Fußball hapert es nicht bei uns“, meinte Andrich. Fehlende Intensität, Konzentration und Kaltschnäuzigkeit tauchten als Schlagworte in den vergangenen Wochen immer wieder auf.
Ob Bayer möglicherweise als Außenseiter (gegen den FC Bayern?) oder als Favorit ins Halbfinale (21./22. April) geht, entscheidet sich bei der Auslosung am 22. Februar. In letzterer Rolle blamierte sich die Werkself im Vorjahr beim damaligen Drittligisten Arminia Bielefeld.
Das Aus auf der Alm haben sie in Leverkusen inzwischen verdrängt, zumal Hjulmand damals noch nicht im Amt war. „Es ist wichtig für unsere Mannschaft, noch etwas zu gewinnen“, sagte er: „Und jetzt haben wir eine Möglichkeit, im Mai nach Berlin zu fahren.“SID