ZUM TAGE

Fahnenträger: Die Luft ist raus

von Redaktion

Fahnenträger bei Olympia – eine echt große Sache. Zumindest war es das einmal. Die Ehre, die deutschen Farben bei der Eröffnungsfeier in der ersten Reihe zu vertreten, wurde nur denen zuteil, die zuvor Einmaliges geleistet hatten. Und selbst wenn man es zur Olympia-Legende geschafft hatte, konnte man trotzdem Pech haben. Fragen Sie nach bei Georg Hackl, Gunda Niemann-Stirnemann oder Magdalena Neuner – sie durften „nur“ bei der Abschlussfeier ran. Nett, aber unter dem Strich höchstens ein müder Abklatsch.

Gestern gab der Deutsche Olympische Sportbund seinen Auserwählten bekannt. Pardon. Sein Duo. Es sind Katharina Schmid (Skispringen) und Leon Draisaitl (Eishockey). Seit den Corona-verschobenen Tokio-Sommerspielen erlaubt das Internationale Olympische Komitee eine solche Option. Viele Nationen machen davon Gebrauch. Auch Deutschland. Warum? Klar, wegen der Gleichberechtigung. Bloß kein Ungerechtigkeit. Bloß kein Zweikampf. Bloß keine Angriffsfläche bieten.

Hallo? Im Sport gibt es eben Gewinner und Verlierer! Dass Sie mich nicht falsch verstehen. Ich will keineswegs, dass vermehrt Männer schwingen – und das war vor der Jahrtausend-Wende bis 2018 auch nicht der Fall. Genau genommen stand es pari: 5:5. Gleichberechtigt eben. Während die Auswahl früher im Geheimen stattfand, ist heute alles öffentlich. 50 Prozent der Stimmen kommen aus dem Team D, die anderen 50 Prozent von der Öffentlichkeit – die sprach sich überwiegend für das Duo aus. Also eine sinnvolle Anpassung. Für den DOSB war‘s trotzdem ein Pannen-Start – eigentlich sollte die Bekanntgabe erst am Donnerstagfrüh erfolgen, doch die Geheimhaltung funktionierte nicht.

In Italien treiben sie es dieses Jahr besonders auf die Spitze. Federica Brignone (Ski Alpin) und Amos Mosaner (Curling) winken am Freitagabend in Cortina der Nation zu, Arianna Fontana (Shorttrack) und Federico Pellegrino (Langlauf) etwas südlicher in Mailand. Ein doppeltes Duo. Santo cielo!

Am häufigsten die Finger an der Fahne hatte übrigens Claudia Pechstein. Bei den Abschlussfeiern 1994 in Lillehammer und 2006 in Turin. Zudem bei der Eröffnung 2022 in Peking – hätten Sie‘s noch gewusst?

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