Cortina d‘Ampezzo – Fritz Dopfer (38) fuhr 13 Jahre im Ski-Weltcup, nahm zweimal an Olympischen Spielen teil. Heute ist er Vereinsberater im Deutschen Ski-Verband und Experte beim TV-Sender Eurosport. Ein Gespräch über einen besonderen Aspekt des Skisports: Respekt.
Fritz, gibt es im Individualsport Ski alpin auch eine Teamdynamik?
Als Einzelsportler bist du der Pilot, kannst keinen anderen dafür verantwortlich machen als dich selbst, dass die Leistung am Tag X passt. Aber all die Entwicklungsschritte, die man geht, finden immer in einem Netz statt. Wichtig ist ein gutes, wertschätzendes Umfeld, das dich als gesamten Menschen wahrnimmt. Skifahren ist ein Einzelsport mit den Facetten eines Mannschaftssports. Die vielen kleinen und stillen Helfer, die dich aus negativen Spiralen herausziehen und dich im Positiven auf Normalmaß herunterholen, sind die wahren Helden.
Was ist Ihr bleibendstes Olympia-Erlebnis?
Die Saison 2013/14 war eine gute, ich hatte für Sotschi berechtigte Hoffnungen, in Richtung einer Medaille zu schielen. Im Slalom wurde ich Vierter, fünf Hundertstel an Bronze vorbei. Ich bin im Ziel gesessen wie ein Häuflein Elend, da kam ein Athlet aus Afrika vorbei, klofpte mir auf die Schulter und sagte: ,Hey, Fritz, schade, aber du kannst richtig stolz sein. Ich bin 65. geworden und richtig happy.‘ Das war mein olympischer Moment. Es geht um Leistung, aber auch um Verbindung, Menschlichkeit, Freundschaft. Daraus hat sich etwas entwickelt, wir haben immer noch Kontakt.
Im Weltcup fährt ein elitärer Kreis, bei Olympischen Spielen sind auch die sogenannten Exoten am Start.
Um es in Zahlen festzumachen: Auf der Männerseite gibt es im Alpinbereich 153 Quotenplätze, die Athleten kommen aus 86 Nationen, die mindestens einen Platz haben. Als Wintersportnation wünscht man sich mehr Plätze für sich, doch das Außergewöhnliche an Olympia ist eben der Spagat aus Höchstleistung und Ländervielfalt.
Beim Triathlon in Roth gibt es den Brauch, dass Siegerin und Sieger im Ziel die viele Stunden später ankommenden Letzten begrüßen. Für olympische Skirennen mit den langen Starterlisten auch ein Modell?
Das ist eine coole Idee. Bei uns zumindest für Super-G und Abfahrt, den Bewerben mit nur einem Durchgang. Aber die ,prize giving ceremony‘ wird eh erst durchgeführt, wenn der letzte Teilnehmer gefahren ist. Es gibt das Leben auf der Piste und das daneben, bei Olympia trifft man in der Mensa und im Gym die, die nur alle vier Jahre da sind. Sotschi und Pyeongchang waren für mich neben der Piste bereichernd, davon zehre ich heute noch. Ich kriege Gänsehaut, wenn ich daran denke.
INTERVIEW: GÜNTER KLEIN