Zurück auf der Piste: Hofmeister wurde rechtzeitig zu den Spielen fit. © Lukasz Gagulski/dpa
Schon die Einkleidung machte Spaß: Ramona Hofmeister hier noch vor einer Fototapete mit Bergkulisse. © Peter Kneffel/dpa
München – Rasant war sie schon immer, aber mit diesem Blitz-Comeback hat Ramona Hofmeister nicht mal selber gerechnet. Nach Sprunggelenksbruch im September ist die Raceboarderin (29) aus Bischofswiesen längst wieder Teil der Weltspitze. Podestplätze im Weltcup, stabile Leistungen – und sogar für die Wahl zur deutschen Fahnenträgerin war sie nominiert (bekam allerdings nicht den Zuschlag). Doch egal: Im Interview spricht sie über ihr gutes Heilfleisch, neue Gelassenheit – und warum sie gerade jetzt besonders demütig ist.
Ramona, im September der Sprunggelenksbruch, wenige Monate später schon wieder Weltcup. Gab es Momente, in denen Sie selbst überrascht waren, wie schnell das Comeback ging?
Ja, mehrere. Zwischendurch habe ich oft gedacht: Wow, es geht wirklich so gut vorwärts.
Wann kam erstmals der Gedanke, dass es schneller gehen könnte als gedacht?
Anfang Dezember. Die Reha war abgeschlossen, der Fuß hielt den Druck aus – da haben wir gesagt: Wir probieren es im nächsten Jahr wieder. Ursprünglich gab es keinen festen Zeitplan, man hatte nur grob bis Juni kalkuliert.
Was war schwieriger: die mentale Belastung oder Vertrauen in den Fuß zu haben?
Beides war zum Glück kein Problem. Ich hatte volles Vertrauen in die Reha, meine Trainer und das medizinische Team. Es gab nichts, worüber ich mir Gedanken machen musste.
Trotzdem dürften auch mal Zweifel aufgekommen sein während der Reha.
Eigentlich nur einmal, als der Fuß sehr geschwollen war und sich heiß anfühlte. Da hatte ich kurz Sorgen wegen einer möglichen Infektion. Aber es hat sich schnell wieder gelegt.
Wie viel Risiko gehört zu einem solchen Comeback?
Natürlich ist Risiko dabei, aber alles lief unter medizinischer Aufsicht. Das Wichtigste war, dass ich Anfang Januar wieder schmerzfrei war – dann habe ich entschieden, wieder einzusteigen.
Hat die Verletzung Ihren Blick auf den eigenen Körper oder Ihre Karriere verändert?
Ja, ich habe gemerkt, wie viel möglich ist, obwohl man eingeschränkt war. Gerade am Anfang war das sehr überraschend, was man im Reha-Training alles machen kann, wenn der Rest des Körpers fit ist.
Ihren dritten Olympischen Spiele steht somit nichts im Wege, auch die Form stimmt. Was fühlt sich anders an als bei Ihrer Premiere 2018?
Beim ersten Mal wusste ich überhaupt nicht, was auf mich zukommt. Jetzt freue ich mich einfach und bin dankbar, dass es schon die dritten Spiele sind. Dass es trotz der Hürden geklappt hat, ist ein riesiges Geschenk.
Gehen Sie deswegen mit mehr Gelassenheit in die Spiele?
Eher mit Dankbarkeit und Glück. Dass die Hürde, überhaupt dabei zu sein, geschafft ist, fühlt sich einfach richtig schön an.
Welche Erfahrung aus früheren Olympischen Spielen hilft Ihnen?
Man saugt auf, was man erlebt hat, und kann sich besser auf den Wettkampf konzentrieren. Jede Austragung hat etwas Besonderes – diesmal wird es noch spezieller, weil es in Italien stattfindet und viele Freunde und Familienmitglieder vor Ort mitfiebern.
Olympia live sozusagen – was bedeutet das?
Alles wirkt in einer anderen Dimension. Man muss die Eindrücke erst nach dem Ereignis verarbeiten. Es ist das größte Sportereignis, das man erleben kann.
Gibt es etwas, das Sie sich für die Spiele vorgenommen haben, unabhängig vom Ergebnis?
Ja, einen schönen Tag mit tollen Erinnerungen zu erleben. Es ist nur ein Wettkampf – wir genießen es und geben unser Bestes.
Bronze 2018, Platz fünf in Peking. Das Ziel dürfte auf der Hand liegen, oder?
Ich bin auf jede bisherige Platzierung stolz, das waren alles wertvolle Erlebnisse. Es ist nur ein Tag für uns, eine Chance. Ich werde alles geben. Und dann schauen wir, was rauskommt (lächelt).
Sie wollen diesmal bei der Eröffnungsfeier dabei sein – mit welchen Gefühlen?
Eine Gänsehaut. Ich war noch nie bei einer Olympia-Eröffnungsfeier, aber ich weiß, dass es ein unvergesslicher Moment wird.
Ihr großer Tag ist bereits am ersten Sonntag. Werden Sie darüber hinaus Wettkämpfe besuchen?
Bis jetzt ist nichts Konkretes geplant. Ich will einfach alles aufnehmen, was möglich ist, auch andere Sportarten zu sehen – so viel Zeit bleibt ja nur während Olympia.
Welche Botschaft haben Sie für junge Athletinnen und Athleten, die von Olympia träumen?
Es lohnt sich, für den Traum zu kämpfen. Rückschläge gehören dazu, aber wer die Chance hat, dabei zu sein, erlebt etwas Einzigartiges.
Können Sie sich vorstellen, 2030 noch einmal bei Olympia dabei zu sein?
Vielleicht schon. Ich plane nicht so weit voraus, genieße aktuell einfach jeden Moment und habe noch viel Spaß an meinem Sport. Es sind also keine Abschiedsspiele geplant.
INTERVIEW: ULI KELLNER