Im Training top: Lennart Karl (r.) gegen Olise. © Ruiz
München – So ganz nachvollziehen kann man nicht, ob das Bildschirmfoto der Wahrheit entspricht oder nicht. Aber für eine kurzzeitige Belustigung sorgt es so oder so. Auf „Instagram“ hatte vergangene Woche ein Fan eine Aufnahme von einem enttäuschten Leroy Sané gepostet und mit der Worten: „Lennart Karl seit seinem Real-Madrid-Statement“ unterschrieben. Schon klar, was gemeint war: Ein Sinnbild für einen Offensivspieler, der im Trikot des FC Bayern viel zu selten trifft.
Aber noch pikanter: Unter den Instagram-Nutzern, die dieses Bild mit einem Herzchen markierten, soll ein gewisser Serge Gnabry gewesen sein. Machen sich die Mitspieler etwa lustig über das 17 Jahre junge Juwel in ihrem Kader?! In den sozialen Medien und vor allem in Zeiten von KI können solche Screenshot leicht gefälscht werden, davon kann man auch in diesem Fall ausgehen. Und trotzdem ist nicht nur ein kleiner Funken Wahrheit daran, dass im Jahr 2026 – also seitdem Karl beim Fanclubbesuch von seinem fußballerischen Traum Real Madrid gesprochen hat – eine kleine Form-Delle zu beobachten ist. Ein Tor und eine Vorlage aus Karls bisheriger Bilanz (7/3) entfallen auf das aktuelle Kalenderjahr, im offensiven Mittelfeld agierte er zuletzt oft unauffällig. Beim 2:2 in Hamburg holte Vincent Kompany seinen Jungstar sogar schon zur Halbzeit vom Feld. Für ihn kam Luis Diaz, der mit seiner ersten Aktion traf.
Es war klar, dass sich die Rolle von Karl ändern würde, je intensiver Jamal Musiala zurück in die Startelf drängt. Aber intern beobachtet man die Personalie Karl nicht nur unter diesem Gesichtspunkt. Schon vor Wochen, als Karl Woche für Woche Wunderdinge vollbrachte, sagte Kompany: „Ich bin kein Fan von Hype.“ Und genauso wenig, wie der Coach in die Lobhudeleien einsteigen wollte, lässt er sich jetzt von ein paar weniger grandiosen Auftritten beirren. Kompany beschreibt seine Rolle unter dem Stichwort „objektiv bleiben, egal, wie viele Tore die Jungen schießen und was sie auch machen“. Und so läuft alles, was Karl gerade durchlebt, unter der Prämisse, den Erfahrungsschatz ohne Druck zu erweitern. Lektion 1: Du kannst super kicken. Lektion 2: Nach einem Hoch folgt auch mal ein Tief.
Dass nun am Sonntag (17.30 Uhr) ausgerechnet Hoffenheim zum Spitzenspiel anreist, passt für die Lektion 3 ( „harte Arbeit wird belohnt“) gut. Denn auch wenn Karl knapp drei Wochen vor seinem 18. Geburtstag schon zum Bundesliga-Inventar gehört: Es ist gerade mal eine Halbserie her, dass Hoffenheim sein Schicksal geprägt hat. Beim 4:1 im Hinspiel kam Karl nach zuvor starken Auftritten als Joker zu seinem Bundesliga-Startelf-Debüt. Er dankte mit der Vorlage zum 1:0. Die Rufe nach einer WM-Teilnahme wurden seitdem immer lauter.
Sieben Spiele bleiben Karl, um bis zur ersten DFB-Nominierung vielleicht nochmal einen Gang draufzulegen. Kompany begleitet ihn dabei: „Wir wollen den Jungs helfen, damit sie das Beste herausholen.“ Die gute Nachricht: In der Kabine hat sein Standing nicht gelitten. Natürlich gab es den einen oder anderen Scherz zum Real-Statement, auch das: eine Lektion. Dass Karl ein ähnliches Schicksal wie Sané droht, glaubt aber wirklich niemand.HANNA RAIF, PHILIPP KESSLER, VINZENT TSCHIRPKE