„Wir brauchen dringend Siege“

von Redaktion

Löwen-Abwehrmann Schifferl über das Jahr 2026 und einen Mitspieler mit Maske

Vorteil Reichweite: Raphael Schifferl (l.) bereinigt kritische Situationen. © Eibner/Kruczyn

München – Dieser Löwe ist nicht zu übersehen – und nicht zu überhören. Mit seinen 1,97 Metern und dem Steierischen Akzent ist Raphael Schifferl bei den Sechzigern eine Marke. Seit Jahresbeginn hat der 26-Jährige keine Sekunde mehr auf dem Platz verpasst. Vor dem Gastspiel der Löwen beim VfB Stuttgart II (Samstag, 16.30 Uhr) hat sich Schifferl für ein Interview Zeit genommen.

Im Dezember tauchten Sie als Zuschauer bei der Darts-WM im Ally Pally auf. Ist Darts Ihr Ausgleich zum oft stressigen Löwen-Alltag?

2017 war ich das erste Mal bei der WM in London mit Freunden. Seitdem spiele ich so oft es geht. Durch Zufall habe ich Mensur Suljovic und andere Spieler kennengelernt. Da wir montags meistens freihaben, hat das bei seinem Erstrundenspiel wunderbar geklappt. Hier bei 1860 spiele ich meistens gegen Patrick Hobsch.

Und wer ist besser?

(lacht) Es ist sehr ähnlich vom Niveau her. Er ist am Ende etwas cooler beim Finishen, so wie es sich für einen Stürmer eben gehört.

Kommen wir zum Fußball: Ungeschlagen oder sieglos – wonach fühlt sich diese Löwen-Rückrunde bislang eher an?

Die ersten beiden Spiele hat es sich mehr nach „ungeschlagen“ angefühlt. Gegen Aachen war es anders. Wir brauchen Siege. Es ist zwar positiv, weiter ungeschlagen zu sein in diesem Jahr. Aber wir brauchen dringend Siege, um voranzukommen.

Was fehlt denn momentan, um als Sieger vom Platz zu gehen?

Wir hätten auch alle Spiele auch gewinnen oder verlieren können. Es ist untypisch, dass es dreimal unentschieden endet. Die letzte Konsequenz hat gefehlt. Wir müssen es erzwingen, die engen Spiele auf unsere Seite zu ziehen. Das Ziel muss es sein, das Momentum wieder auf unsere Seite zu ziehen. Man muss sich das aber erarbeiten und nicht einfach darauf warten, dass es passiert.

Sie persönlich sind wieder fit, konnten alle Partien 2026 über 90 Minuten bestreiten. Wie fühlen sich die Beine an?

Anfangs habe ich sie noch ab und zu gespürt, die ein oder andere Trainingseinheit ausgelassen. Aber das war nichts Tragisches, während der Spiele habe ich mich super gefühlt. Ich bin langsam wieder bei 100 Prozent, habe keine Rückschläge. Seit zwei Wochen kann ich jedes Training problemlos mitmachen, fühle mich fit.

Ist der Aufstiegszug ohne 1860 abgefahren oder ist noch alles drin zu diesem Zeitpunkt der Saison?

Es stimmt schon, dass die drei Unentschieden zu wenig sind, um oben heranzukommen. Wir müssen gewinnen, wenn wir mehr erreichen wollen, ganz einfach. Aber es bringt nichts, jetzt mit dem Rechnen anzufangen. Wir müssen gewinnen – fertig. Das haben wir uns gegen Aachen schon vorgenommen, leider ist es nicht gelungen. Ob wir dabei viele Verletzte haben, ist egal.

Kann man in einer solch schwierigen Zeit als Mannschaft noch enger zusammenwachsen?

Wir sind eine Einheit auf dem Platz, das sieht man. Ist einer verletzt, springt der andere in die Bresche – das schweißt zusammen. Einen Lauf in der Liga musst du erzwingen. Und wenn er da ist, musst du die Welle reiten. Auf manche Dinge, wie den Schiedsrichter, hast du keinen Einfluss. Aber du kannst die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die Spiele auf deine Seite kippen. Auch in den letzten Spielen waren nicht weit weg davon, die Partien zu gewinnen.

Gegen den Ball stehen die Löwen bis auf ein, zwei Aussetzer gegen Aachen eigentlich recht sicher. Ist die größte Baustelle derzeit der eigene Spielaufbau?

Defensiv haben wir es ordentlich gemacht. Aber auch nicht konsequent genug, sonst hätten wir dreimal zu Null gespielt. Da müssen wir noch besser werden, dann benötigen wir vorne weniger Treffer. Zum Spielaufbau: Wir machen uns darüber viele Gedanken, arbeiten viel auf dem Platz, was die Positionierung angeht. Es ist uns bewusst, dass wir in diesem Bereich noch Luft nach oben haben. Wir wollen unsere Offensivspieler noch mehr ins Spiel bringen.

Wir haben Anfang Februar, unangenehme Stadien in Großaspach und Hannover stehen auf dem Programm. Worauf kommt es dabei bei den Löwen an?

Der Großteil von uns ist erfahren in der Dritten Liga. Wir haben viele Auswärtsfans, die jedes Spiel zu einem Highlight machen. Die Spiele werden individuell entschieden wie sonst auch. Wir wollen in beiden Partien dreifach punkten.

Seitdem Sie bei den Löwen sind, wurden Sie zweimal von schweren Verletzungen zurückgeworfen. Hat man den besten Raphael Schifferl bei 1860 noch gar nicht gesehen?

Im Dezember 2024 habe ich mich verletzt, das hat sich leider gezogen. Zwischendurch war ich aber von April bis Oktober auch fit, da habe ich aus anderen Gründen wenig gespielt. Leider habe ich mich kurz nach dem Trainerwechsel, als ich mich super gefühlt habe, wieder an derselben Stelle verletzt. Ich habe aber gemerkt: Wenn ich fit bin, kann ich noch ein Level draufpacken, womit ich in der Liga richtig gut dabei bin. Ich bin noch nicht da, wo ich sein könnte. Deshalb liegt mein Fokus darauf, fit zu bleiben. Ich nehme immer mehr Übungen dazu, die das Knie stärken. Auch die Anzahl der Behandlungen habe ich hochgefahren. Ich sehe es positiv, dass ich da jetzt ganz gut rausgekommen bin.

Ein Mitspieler von Ihnen ist seit dem Wochenende auch wieder zurück: Sigurd Haugen. Wie wichtig ist das für die Mannschaft – und was sagen Sie zu seiner Maske?

Es ist mega, dass er wieder zurück ist. Dass er sich wieder voll reinwirft, spricht für ihn und sein Schmerzempfinden. Man hat gegen Aachen in kurzer Zeit gesehen, wie sehr er uns helfen kann. Er macht viele Wege, die für den Gegner unangenehm sind. Das hat uns gefehlt. Die Maske ist wild, so etwas habe ich noch nicht gesehen. Ich höre immer wieder, dass er aussieht wie Hannibal Lecter.

IV: MARCO BLANCO UCLES

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