Die olympischen Ringe, das historische Symbol der Spiele. © Kappeler/dpa
Katharina Schmid trägt die schwarz-rot-goldene Flagge bei der Zeremonie in Predazzo. © Karmann/dpa
Leon Draisaitl führt bei der Eröffnungsfeier die deutsche Delegation ins Mailänder San Siro. © Kappeler/dpa
Mariah Carey sang bei der Eröffnung. © Kneffel/dpa
Winter! Mailand! Wunderbar! Die Eröffnungsfeier der Winterspiele 2026 war gestern das größte TV-Ereignis der Welt, noch vor der Fastnacht in Franken. Und wenn man die kuriosen Kutten der bedauernswerten deutschen Wintersportler anschauen musste, hat man sich gedacht: Damit möchte nicht mal Markus „Braveheart“ Söder in Veitshöchheim aufschlagen. Ansonsten war die Eröffnung als wunderschön inszenierter Wintersport-ESC aber sehr gelungen – bis auf den verhallten Stadion-Sound, den die ARD im Gegensatz zu Eurosport vermasselte. Das konnte sich sehen lassen, aber nicht hören.
Der neue Rrrrubenbauer: Man hat von ARD-Erklärer Giovanni di Lorenzo viel Spannendes erfahren, vom „Neoplastizismus“ (der nichts mit dem Gesicht der blasierten Mariah Carey zu tun hat) bis „Giuseppe Verrrrdi“. Seit Rubi Rubenbauer hat niemand mehr das „r“ so schön gerrrrollt wie der Zeit-Chefrrrredakteur.
Die Eröffnung im Ersten: Die Olympischen Feuer in Mailand, Cortina usw. sind entzündet. Und niemand weiß, ob sich die Entzündung lindern lässt. ARD-Eisfee Kati Witt machte die Zuschauer ab 18 Uhr heiß auf die diversen „Spott-Arten“ – es scheint also amüsant zu werden bei Olympia. Felix Neureuther kann die Kati und Moderatorin Esther Sedlaczek nicht leiden. Jedenfalls schlug er vor, die beiden die Abfahrtspiste in Bormio hinabzustürzen: „Das wär doch was für Euch!“ ARD und ZDF hocken bei Olympia ja in der Studio-Gruft am Mainzer Lerchenberg. Dieses Manko sollen künstliche Schneeflocken auf der Video-Leinwand ausgleichen – wir sind von diesem hochmodernen Konzept noch nicht restlos überzeugt.
Feuer frei mit Giovanni: Sportfan und Zeit-Chef Giovanni di Lorenzo darf nicht verwechselt werden mit Schlager-Chef Giovanni di Zarrella. Der Co-Kommentator von Tom Bartels beschwerte sich ein bisserl übers Wetter: „Es ist nicht winterlich genug.“ Und über die Auswahl der Musik: „Hat mich überrascht, positiv und negativ.“ Der Mann kann froh sein, dass die Sportfreude Stiller ihr ausbaufähiges ARD-Olympia-Lied „Ti amo, Italiano!“ nicht im San Siro gesungen haben – sondern vorher im Studio, was auch nicht schön war.
Mia san Siro: Insgesamt wirkte die Eröffnung in vier verschiedenen „Clustern“ ziemlich zerstreut. Trotzdem erweckte die Regie sehr clever den Eindruck, dass alle Sportler an einem Ort vereint waren. Die Regenponchos der deutschen Sportler konnte aber nicht einmal der kluge Giovanni erklären: Sind die Fischerhüte eine Hommage an Helene? Ist da jemand falsch abgebognert? Nein, an dem Elend war Adidas schuld. Mamma mia, wie sehr kann man sich in der Mode-Metropole Mailand blamieren? Ansonsten wusste der Semi-Italiener sehr viel, über Motorrad-Legende Valentino Rossi als Trambahnfahrer, oder über „Liebelei“-Sängerin Rrrrraffaella Carrrrà, „Zeit ihres Lebens bekennende Kommunistin“. Grazie, ragazzo! Man hat dem Giovanni gern zugehört – sofern man ihn verstanden hat.JÖRG HEINRICH