So sah es jahrelang aus: Tom Brady wirft den Ball, Sebastian Vollmer räumt die Gegner aus dem Weg. © Imago
Vollmers präsentiert seine Super-Bowl-Ringe. © Imago
Sebastian Vollmer hat acht Jahre lang in der NFL gespielt und mit Tom Brady den besten Quarterback aller Zeiten auf dem Feld beschützt. Mit den New England Patriots gewann Vollmer zweimal den Super Bowl – unter anderem gegen die Seattle Seahawks. In unserer Super-Bowl-Kolumne schreibt der 41-Jährige über Erfolg, Leiden und einen besonderen Milliardär.
Als ehemaliger Spieler habe ich eine besondere Beziehung zum Super Bowl. In meinem ersten Finale habe ich gegen die Giants verloren. Das ist eine Bruchlandung. Du kämpfst die ganze Saison über, mit gebrochenen Fingern und Sehnenrissen. Es gibt keinen Spieler, der hundertprozentig fit ist. Wenn du am Ende der Saison dann nichts vorweisen kannst, ist das wie ein riesiges Loch, in das du erstmal fällst. Du weißt, dass die ganze Welt zuschaut. Auf jedem Magazin ist dein Gesicht, alle Fernseh-Sender berichten darüber. Du bekommst 27 000 Nachrichten, ob man nicht noch an Tickets kommt. Meine Lektion nach dem ersten Super Bowl: Das Handy ist in der Woche vor dem Spiel aus. Sonst kann dich diese Masse aus Entertainment und gewaltigem Medieninteresse erdrücken.
2015 standen wir nach dem Sieg gegen die Seattle Seahawks ganz oben. Für so einen Erfolg muss man körperlich viel opfern. Ich hatte einen Kreuzbandriss, wurde an der Schulter operiert. 50 kleine Knorpelstücke wurden rausgeholt. An fünf Fingern hatte ich keine Sehnen mehr. Zwei Spiele vor dem Super Bowl stand ich in der Dusche, fahre durch meine Haare und merke, wie die Finger einfach hängen bleiben. Aber du spielst halt trotzdem, tapest deine Finger. Nach Schlusspfiff bin ich meiner Frau in die Arme gefallen und habe gesagt: Es hat sich gelohnt.
Das Duell an diesem Wochenende ist natürlich mit den ganzen Erinnerungen an unseren Super-Bowl-Sieg auch für mich speziell. Der Geist von 2015 lebt wieder. Ich kenne immer noch viele Coaches und Mitarbeiter von den New England Patriots. Robert K. Kraft ist aus meiner Sicht einer der besten Eigentümer der NFL. Natürlich ist er ein Business-Mensch, sonst wird man kein Milliardär. Aber der Mensch steht bei ihm immer im Vordergrund, er hat eine Beziehung zu allen Spielern. Es geht ihm ums Gewinnen. Mister Kraft hat schon sechs Super-Bowl-Trophäen in der Vitrine stehen. Es geht ihm aber auch darum, etwas zurückzugeben. In den Verträgen der Patriots-Spieler steht, dass es mindestens einmal pro Saison eine große Spendenaktion gibt.
Bei Quarterback Drake Maye darf man nicht vergessen, wie jung er ist. In den ersten zwei Saisons musste er zwei Spielsysteme verinnerlichen. Das System von Josh McDaniels (Offensive Coordinator) ist mit Tom Brady gewachsen und schwer zu lernen. Maye hat es geschafft und führt die Liga in vielen Statistiken an. Zudem hat er mit Mike Vrabel einen Trainer, der selbst Spieler war, den Super Bowl gewonnen hat. Man merkt, dass das ganze Team auch für den Trainer spielt.
In meiner jetzigen Rolle als Experte für RTL will ich den Fans tiefe Einblicke in den Sport geben. Ich war beim AFC Championship Game zwischen den Denver Broncos und New England Patriots. Damals als Spieler habe ich in Denver im Schneetreiben verloren. Was macht die dünne Luft mit einem? Was macht die Lautstärke mit einem? All das möchte ich erklären. Acht Jahre konnte ich in der NFL spielen. Umso schöner, dass ich jetzt vom Spielfeldrand aus erklären darf, was diesen Sport auszeichnet.