Lehmanns Keeper-Check

von Redaktion

Der ehemalige Nationaltorhüter über Bayerns Neuer und Hoffenheims Baumann

Applaus für beide Keeper: Jens Lehmann. © Imago

Fernduell ums WM-Tor? Baumann hat im DFB-Team die Nase vorn, Neuer werden Comeback-Gelüste nachgesagt. © IMAGO

München – Am Sonntag (17.30 Uhr, DAZN) empfängt der FC Bayern die TSG Hoffenheim. Rund um die Partie stehen auch Manuel Neuer (fehlte am Freitag wegen eines Magen-Darm-Infekts), um den es immer wieder Spekulationen über ein Nationalmannschafts-Comeback gibt, und die aktuelle Nummer eins des DFB, Oliver Baumann, im Fokus. Experte Jens Lehmann macht für unsere Zeitung den Keeper-Check.

Ausstrahlung

Manuel Neuer: „Tolle Ausstrahlung. Er ist sehr groß und trotzdem auch beweglich. Das ist eine gute Kombination. Es ist immer besser, wenn der Stürmer Angst vor dem Torwart hat – und nicht umgekehrt.“

Oliver Baumann: „Sehr positiv. Aber Ausstrahlung kommt immer auch von dem, was man erreicht und welche Spiele man schon gespielt hat. Er kann sie noch nicht so haben, weil er auch jünger ist und noch in keinem richtig großen Verein gespielt hat.“

Strafraumbeherrschung

Neuer: „Da könnte er auch noch besser werden. Manchmal steht er zu defensiv in der Startposition. Und er hat keine linke Faust. Das macht einen Torwart dann unsicher, wenn es eng wird.“

Baumann: „Er könnte sich in diesem Punkt ebenfalls noch stark verbessern. Das hängt aber auch hier von der Technik ab. Die könnte da viel besser sein. Und beide sind in der Startposition zu defensiv.“

Reaktion

Neuer: „Super. Und auch umfassend.“

Baumann: „Bei Baumann genauso gut.“

Spiel auf der Linie

Neuer: „Manuel ist ein bisschen größer, dadurch hat er eine etwas bessere Reichweite.“

Baumann: „Sein Spiel auf der Linie ist auch sehr gut.“

Fußballerische Fähigkeiten

Neuer: „Wir wissen, dass er eine super Technik hat und beidfüßig ist. Vielleicht hat er durch seinen Wadenbeinbruch aber in diesem Punkt eine kleine Einschränkung. Die ist aber minimal.“

Baumann: „Ebenfalls top.“

Verfügbarkeit

Neuer: „Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Älterwerden ist hier kein Vorteil. Nur bis zu einem gewissen Grad, vor allem in Sachen Erfahrung. Aber irgendwann merkt man, dass die Physis einen Tick nachlässt. Nicht zwingend auf ein einzelnes Spiel bezogen, sondern auf die Gesamtheit aus Training und Spielen. Irgendwann ist das für einen Körper, der langsam verschleist, nicht ganz angenehm. Manuel war immer ein physisches Monster, er ist weiterhin in guter Verfassung. Aber das Älterwerden merkt man irgendwann.“

Baumann: „Das ist das Wichtigste. Und in diesem Punkt ist er allen meilenweit voraus. Gefühlt hat er in den letzten zehn Jahren nur drei Spiele verpasst. Wenn ich als Spieler top sein will, muss ich immer verfügbar sein. Das ist er wie kein Zweiter. Er spielt immer. Er hat sich stetig verbessert.“

Was beide nicht haben: „Organisation. Haben sie nie gelernt. Das ist der Haken an der neuen Generation, bei aller Klasse.“

Lehmanns WM-Fazit: „Wenn ich Bundestrainer wäre, wüsste ich, was ich machen würde. Aber ich bin es nicht. Nur so viel: Baumann wäre natürlich auch ein guter WM-Torwart.“PHILIPP KESSLER

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